azur100
10.04.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger

Rückschritt: Kanzleien stellten 2013 deutlich weniger Frauen ein

Der Frauenanteil an den Neueinstellungen in deutschen Wirtschaftskanzleien ging 2013 deutlich zurück. Im Marktdurchschnitt waren nur noch rund 37 Prozent der Berufseinsteiger weiblich. 2012 lag der Anteil noch bei 43 Prozent. Diese Entwicklung widerspricht den Bemühungen vieler Kanzleien um mehr interne Vielfalt.

Wie eine azur-Erhebung bei rund 200 deutschen Kanzleien ergab, stellten diese Arbeitgeber 2013 insgesamt gut sechs Prozent weniger Berufsanfänger ein (mehr…). Der sinkende Bedarf ging dabei ausschließlich zu Lasten weiblicher Absolventen: Während rund drei Prozent mehr Männer ihre Laufbahn in einer Kanzlei begannen als 2012, nahm die Zahl der weiblichen First-Year-Associates um fast 17 Prozent ab.

Gerade durch Neueinstellungen hatten viele Kanzleien über die letzten Jahre ihren Frauenanteil insgesamt leicht erhöht. Diese Tendenz dürfte nun fürs Erste gestoppt sein. Damit wiederholt sich eine Erscheinung, die bereits im Krisenjahr 2010 zu beobachten war: Sobald die Kanzleien weniger Nachwuchs rekrutieren, geht die Zahl der Berufseinsteigerinnen wesentlich stärker zurück als die ihrer männlichen Mitbewerber. Ob dies an einer Benachteiligung von Bewerberinnen durch die Kanzleien oder umgekehrt am sinkenden Interesse der Bewerberinnen liegt, ist nicht geklärt.

Einbruch trotz vergangener Rekrutierungserfolge

Besonders stark sank der Anteil weiblicher Berufseinsteigerinnen zuletzt bei Oppenhoff & Partner, Orrick Herrington & Sutcliffe und Watson Farley & Williams. Diese Kanzleien stellten 2012 prozentual noch deutlich mehr Frauen ein als der Marktdurchschnitt. 2013 waren nur noch zwischen zehn und 18 Prozent ihrer First-Year-Associates weiblich. Damit fielen diese Sozietäten sogar hinter den niedrigen Stand von 2010 zurück.

Rückläufige Zahlen meldeten nun auch einige weitere Kanzleien, die zwischenzeitlich recht erfolgreich um Berufseinsteigerinnen geworben hatten. Den jüngsten Einbruch mitgerechnet, gab der Frauenanteil an den Neueinstellungen seit 2010 bei Luther von 50 auf 31 Prozent nach, bei Norton Rose Fulbright von 38 auf 29 Prozent. In manchen Kanzleien ist der First-Year-Frauenanteil seit 2010 sogar kontinuierlich gesunken, etwa bei Jones Day (von 43 auf 22 Prozent) oder Flick Gocke Schaumburg (von 33 auf 13 Prozent).

Einzelne schwimmen gegen den Strom

Andere Kanzleien nahmen zwar ebenfalls weniger Absolventinnen an Bord als 2012, konnten den Anteil weiblicher Berufsanfänger über die letzten Jahre aber insgesamt deutlich steigern. So wuchs diese Zahl seit 2010 etwa bei Clifford Chance von 30 auf 38 Prozent, bei KPMG Law von 32 auf über 40 Prozent.

Gegen den Strom schwammen 2013 vor allem Becker Büttner Held und Olswang, die deutlich mehr Frauen einstellten als im Vorjahr. In beiden Kanzleien waren die weiblichen Berufsanfänger zuletzt in der Mehrheit. Bei Olswang standen zwei männlichen Neueinsteigern sogar nicht weniger als neun weibliche First-Year-Associates gegenüber. (Norbert Parzinger)

Welche Arbeitgeber sich besonders stark für Chancengleichheit engagieren, und wie sich der Bewerbermarkt insgesamt entwickelt, lesen Sie unter www.azur-online.de/top-arbeitgeber/.