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29.04.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Bis zu 1.900 Stunden: Großkanzleien verlangen von Anfängern hohen Einsatz

Die Zahl der Honorarstunden, die Associates in deutschen Wirtschaftskanzleien generieren sollen, ist je nach Arbeitgeber sehr unterschiedlich. Im ersten Berufsjahr reicht die Bandbreite von 500 bis 1.900 Billable Hours pro Jahr, das entspricht zwischen zweieinhalb und achteinhalb Stunden pro regulärem Arbeitstag.

In einer azur-Erhebung bei rund 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland äußerte sich ein Teil der befragten Arbeitgeber zu Billable-Hours-Vorgaben 2014. Je nach Kanzlei gelten diese Zahlen als verpflichtendes Minimum oder als unverbindliche Richtgröße. Weil davon nur die Arbeitsstunden erfasst sind, die die Kanzlei ihrem Mandanten in Rechnung stellen kann, liegt das tatsächliche Stundenpensum der Associates allerdings meist deutlich höher.

Internationale Großkanzleien verlangen am meisten

Die meisten Honorarstunden müssen Associates in internationalen Großkanzleien nachweisen. An der Spitze der Tabelle liegen Latham & Watkins und WilmerHale, dicht gefolgt von Paul Hastings und Watson Farley & Williams. In diesen Kanzleien sollen schon Berufseinsteiger zwischen 1.800 und 1.900 Honorarstunden im Jahr abrechnen.

Das andere Ende des Spektrums besetzen deutsche Regional- und Spezialkanzleien, etwa die Hamburger Rundumberaterin Zenk oder die Bau- und Vergaberechtskanzlei Leinemann & Partner. Hier werden im ersten Berufsjahr nur 500 bis 880 Billable Hours fällig. Allerdings machen auch einige US-Kanzleien ihren Associates recht maßvolle Vorgaben: Squire Sanders verlangt jährlich 1.300 Stunden, Pinsent Masons 1.200.

Schonfrist für Berufsanfänger

Viele Kanzleien geben ihren neuen Mitarbeitern zunächst ein bis zwei Jahre Schonfrist, in denen sie nur eine reduzierte Zahl von Billable Hours ansetzen. Im Durchschnitt schreiben die Kanzleien im ersten Berufsjahr knapp 1.450 Stunden jährlich vor. Bis zum dritten Berufsjahr steigt der Mittelwert schrittweise auf rund 1.550 Stunden.

Doch auch hier sind die Unterschiede groß. In einigen Kanzleien fällt der Sprung vom ersten zum zweiten Berufsjahr besonders deutlich aus. So liegt etwa die Hamburger Transaktionskanzlei Renzenbrink Raschke von Knobelsdorff Heiser im ersten Berufsjahr mit 1.400 Stunden noch etwas unter dem Marktdurchschnitt, dafür werden schon im zweiten Jahr volle 1.800 Stunden fällig. Andere Sozietäten erhöhen die Vorgaben über die Jahre ganz allmählich, etwa die Münchner IP-Boutique Bardehle Pagenberg oder wiederum Leinemann & Partner.

Soweit bekannt, geben auch zahlreiche andere Kanzleien ihren Associates feste Honorarstundenzahlen vor. Über deren Höhe liegen azur derzeit jedoch keine ausreichenden Informationen vor. (Norbert Parzinger)