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28.01.2014 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Juristengehälter: Unternehmen holen auf

Hochqualifizierte Juristen können auch 2014 mit hohen Einstiegsgehältern rechnen. Die Steigerungsrate bei Kanzleien fällt allerdings moderat aus, große Sprünge gab es im vergangenen Jahr nicht. Dafür wachsen – unabhängig vom Berufsjahr – die Gehälter der Unternehmensjuristen. 

Die Gehälter steigen weiter, aber nur langsam. Das ist das Ergebnis der jährlichen azur-Erhebung bei über 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland. Durchschnittlich zahlen die Sozietäten ein maximales Einstiegsgehalt von etwa 74.400 Euro, rund 1,5 Prozent mehr als 2013. Damit setzt sich der Trend aus dem vergangenen Jahr fort. Auch damals lag die mittlere Steigerungsrate nur auf Inflationsniveau. Von 2011 auf 2012 legten die Einstiegsgehälter im Markt noch um über fünf Prozent zu.

GeldbündelZu den Kanzleien, die nachgezogen haben, zählen Gleiss Lutz, Noerr und Norton Rose Fulbright. Gleiss Lutz bezahlt nun allen Berufseinsteigern einheitlich 100.000 Euro. Bisher lag das Minimum bei 90.000 Euro, für Doktortitel und LL.M. gab es Zuschläge.  Auch in den Folgejahren werden die Neueinsteiger am oberen Ende der bisherigen Spanne bezahlt. Damit rangiert die Kanzlei zwar nicht im Spitzenfeld, liegt aber wieder gleichauf mit zentralen Wettbewerbern wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Linklaters oder Clifford Chance. 

Trend zur Leistungskomponente

Noerr hob das Einstiegsgehalt von 80.000 bis 95.000 Euro auf 90.000 bis 100.000 Euro an. Auch die Gehaltsbänder für die folgenden Berufsjahre wurden angepasst. Den gleichen Schritt machte Norton Rose Fulbright, die Berufseinsteigern nun ebenfalls 90.000 bis 100.000 Euro bietet. Hier wurden allerdings die bisher üblichen festen Gehaltssteigerungen von Berufsjahr zu Berufsjahr abgeschafft. Entscheidend für eine Anhebung ist nun, ob der einzelne Anwalt die an ihn gestellten Erwartungen erfüllt oder nicht.

Jenseits der werbewirksamen First-Year-Gehälter geht der Trend damit weiter in Richtung leistungsabhängiger Bezahlung. Baker & McKenzie (mehr…) und White & Case (mehr…) hatten ihre Vergütungssysteme bereits in den letzten Jahren entsprechend geändert. Nach ähnlichem Rezept verfährt schon länger Jones Day, die das maximale Gehalt für ideal qualifizierte Berufseinsteiger nun von 110.000 auf 115.000 Euro erhöhte.

An der Spitze der Rangliste steht nach wie vor Milbank Tweed Hadley & McCloy, die Berufsanfängern 125.000 Euro bietet. Auch auf den nächsten Plätzen liegen vor allem transaktionsgetriebene US-Kanzleien, die allerdings meist nur sehr wenige freie Stellen zu besetzen haben. Die meisten dieser Kanzleien wollen 2014 zwischen 2 und 20 Absolventen einstellen. Großkanzleien wie CMS Hasche Sigle oder Freshfields nehmen alljährlich bis zu 100 Berufseinsteiger an Bord. 

Inhouse-Gehälter steigen kräftig

Etwas anders sieht das Bild auf Unternehmensseite aus. In den Rechtsabteilungen haben sich die Einstiegsgehälter kaum verändert. So erhöhte etwa Siemens ihr Maximalgebot nur leicht von 90.000 auf 93.000 Euro. Der Großkonzern zahlte schon bisher mit weitem Abstand das beste Inhouse-Gehalt für Berufseinsteiger in Deutschland.

Unabhängig von der Berufserfahrung sind die Gehälter der Inhouse-Juristen im vergangenen Jahr allerdings stärker gestiegen als die Bezahlung in den Kanzleien. Syndizi ohne Führungsverantwortung konnten laut einer JUVE-Umfrage zuletzt durchschnittlich mit rund 74.000 Euro rechnen, das sind 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Hinzu kamen Zusatzleistungen im Wert von etwa 16.000 Euro. Auf Teamleiterebene stieg das Durchschnittsgehalt sogar um 13,8 Prozent auf rund 99.000 Euro plus 21.000 Euro Zusatzleistungen.

Wie gut Unternehmen ihre Syndizi bezahlen, hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Am meisten verdienen Syndizi aller Altersstufen in der Finanzbranche mit durchschnittlich rund 81.000 Euro, es folgt die Industrie mit 80.000 Euro sowie die Branchen Handel, Immobilien, Chemie und Pharma mit rund 75.000 Euro. (Eva Flick, Norbert Parzinger)

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