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26.11.2013 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Passau: Rechtshistorikerin erhält Förderung der EU-Kommission

Die Rechtshistorikerin Prof. Dr. Ulrike Müßig von der Universität Passau hat als erste deutsche Juristin einen Advanced Grant des Forschungsrats der EU-Kommission (European Research Council – ERC) erhalten. Unter Müßigs Leitung forscht nun ein international besetztes Wissenschaftlerteam zur Europäischen Verfassungsgeschichte.

Müßig erhält für ihre wissenschaftliche Leistung der letzten zehn Jahre den ERC-Advanced Grant ReConFort. Das Kürzel steht für „Reconsidering Constitutional Formation, Constitutional Communication by Drafting, Practice and Interpretation in 18th and 19th Century Europe“. Dem Forschungsteam werden Juristen aus Deutschland, Belgien, Italien, Polen und Spanien angehören.

„Auch wenn die historischen Verfassungsdebatten im polnischen Sejm, in den spanischen Cortes, im Belgischen Nationalkongress, in der deutschen Paulskirche und im italienischen Parlamento Subalpino fast 200 Jahre von den heutigen Europäischen Entscheidungsträgern entfernt scheinen, ist es die bürgernahe Verfassungsöffentlichkeit, die zum Erfolg der Verfassungsidee im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts beigetragen hat und die den gegenwärtigen völkerrechtlichen Unionsverträgen fehlt“, sagte Müßig. Die aktuellen politischen Verwerfungen in Europa durch die Finanzkrise zeigten, dass ökonomische Motive zur Legitimation politischer Einheiten nicht ausreichten. „Europa ist für ReConFort mehr als ein Markt. Es steht für ein Gesellschaftsmodell, das historisch gewachsen ist.“

Der ERC hat seit 2007 über 3.800 Forschungsprojekte mit bis zu 3,5 Millionen Euro unterstützt. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder auch juristische Forschungsvorhaben gefördert. So erhielt etwa das University College of London 1,1 Millionen Euro für ein Projekt zum Thema Menschenrechte, die University of Edinburgh 1,5 Millionen Euro für die Forschung zum rechtlichen Rahmen der Kapitalallokation im Umweltschutz. Mit 1,3 Millionen Euro gefördert wird derzeit auch ein interdisziplinäres Projekt der TU Dresden, das sich mit dem Transfer von Entscheidungsbefugnissen auf internationale Organisationen beschäftigt. Alle diese Projekte laufen über fünf Jahre. (Norbert Parzinger)