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26.11.2013 | Autor/in: Norbert Parzinger
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London: Juristen-Karriere soll mit dem Schulabschluss beginnen

Britische Wirtschaftskanzleien konzentrieren sich bei der Nachwuchssuche immer stärker auf Schulabsolventen und Studenten in den ersten Semestern. Hintergrund ist der Mangel an geeigneten Kandidaten, die sich tatsächlich für eine Karriere in einer City-Kanzlei interessieren.

Wie die Fachzeitschrift The Lawyer berichtet, erwarten potenzielle Arbeitgeber insbesondere in London schon von Studienanfängern eine klare Festlegung auf den Berufswunsch Wirtschaftsanwalt. „Karrierevorträge in der Oberstufe und im ersten Studienjahr sind mittlerweile Standard“, erklären Personalzuständige aus mehreren Kanzleien. Damit rücken bei der Bewerberauswahl auch die A-Level-Noten stärker in den Vordergrund als das Examensergebnis.

Informiertere Bewerber, Kanzleien unter Konkurrenzdruck

Die aussichtsreichsten Kandidaten haben sich dem Bericht zufolge bereits zu Beginn ihres Studiums mit verschiedenen Karriereoptionen beschäftigt und können gut begründen, warum sie gerade als Rechtsberater arbeiten wollten. Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Einstellung der Bewerber deutlich gewandelt: „In der Rezession haben sich die Leute auf das Wesentliche konzentriert“, berichtet eine Personalverantwortliche. „Sie kommen nicht mehr daherstolziert und fragen ‚Was können Sie mir bieten?‘, wie es in den Boomjahren üblich war.“ Vor allem hätten die Bewerber klare Vorstellungen von wünschenswerten Ausbildungsangeboten, die ihnen nach der in Großbritannien üblichen zweijährigen Trainee-Phase die besten Voraussetzungen beim Berufseintritt bieten können.

Auf der Suche nach passenden Kandidaten stehen die Wirtschaftskanzleien immer stärker in Konkurrenz zu anderen Arbeitgebern. Weil neben fachlicher Qualität zunehmend unternehmerisches Denken, pragmatische Arbeitsweise und andere Soft Skills gefragt sind, werben die Kanzleien um genau dieselben Berufsanfänger, die auch von Banken, Finanzdienstleistern und Marketingagenturen gesucht werden. Das Interesse der Bewerber, die unbedingt in die Rechtsberatung einsteigen wollen, hat sich allerdings ein Stück weit von den Kanzleien in Richtung öffentlicher Dienst und Rechtsabteilungen verlagert.

Studenten auch in Deutschland immer früher im Visier

Weil die britische Anwaltsausbildung grundlegend anders strukturiert ist, lassen sich diese Entwicklungen nur bedingt mit der Situation in Deutschland vergleichen. Studienabsolventen verschiedener Fächer können sich in Großbritannien per „Conversion Course“ die Grundlagen der Rechtswissenschaft aneignen, praktische Kenntnisse erwerben sie als Trainee in einer Kanzlei, Behörde oder Rechtsabteilung.

Unverkennbar ist allerdings, dass die Kanzleien auch in Deutschland Schwierigkeiten haben, ausreichend Bewerber mit den nötigen Fachkenntnissen und Soft Skills an sich zu binden. Wirtschaftssozietäten umwerben darum schon Jurastudenten im Grundstudium mit Vorträgen, Kennenlernveranstaltungen und mehrwöchigen Praktika mit aufwendigem Rahmenprogramm. Gerade die Zahl der Praktikantenplätze steigt seit Jahren. Für 2014 suchen rund 150 von azur befragte Wirtschaftskanzleien über 2.400 Praktikanten. (Norbert Parzinger)

Besonders empfehlenswerte Praktikumsangebote bei Kanzleien in Deutschland hat azur hier zusammengestellt – nicht nur die Highlights, sondern auch fachliche Schwerpunkte, Informationen zu Dauer und Ort sowie das Gesamturteil der Redaktion.