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26.02.2013 | Autor/in: Norbert Parzinger
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USA: Law Schools leiden unter Bewerbermangel

Private juristische Hochschulen in den USA kämpfen mit massivem Bewerbermangel. Im Januar 2013 lagen den Law Schools rund 20 Prozent weniger Bewerbungen vor als im Vorjahr und 38 Prozent weniger als 2011. Seit 2004 haben sich die Bewerberzahlen fast halbiert.

Die Zahl der Interessenten liegt damit so niedrig wie seit 30 Jahren nicht mehr, wie die Hochschulorganisation Law School Admissions Council meldet. Auch die Zahl der Einschreibungen wird 2013 voraussichtlich weiter zurückgehen und mit rund 38.000 etwa auf dem selben Niveau liegen wie 1977.

Als Gründe für das rückläufige Bewerberinteresse nennen amerikanische Medien steigende Ausbildungskosten und sinkende Chancen auf einen auskömmlichen Job. Demnach haben sich die Studiengebühren an amerikanischen Privat-Law-Schools im letzten Jahrzehnt annähernd verdoppelt; sie liegen derzeit im Durchschnitt bei rund 40.000 US-Dollar. Da ein Großteil der Studenten die Gebühren über Kredite finanziert, starten die meisten Absolventen hoch verschuldet ins Berufsleben.

Gleichzeitig schwindet der Bedarf an qualifizierten Juristen. Normalverbraucher holen sich Rechtsrat in einfachen Fragen aus dem Internet. Etablierte Anwaltskanzleien reagieren auf steigende Kosten und den Druck auf ihre Honorare, indem sie einfachere Arbeiten an Niedriglohnstandorte auslagern. Als hoch bezahlte Associates in Wirtschaftskanzleien startet seit jeher nur eine kleine Minderheit der Law-School-Absolventen, doch auch diese Karriere-Perspektive öffnet sich immer weniger Berufseinsteigern (mehr…). Wie der Branchenverband American Bar Association meldet, hatte knapp die Hälfte der Absolventen des Jahres 2011 neun Monate nach ihrem Studienabschluss noch keine Vollzeitstelle, die eine Anwaltszulassung erfordert hätte.

Als weiteren Grund für die sinkende Beliebtheit des Fachs Jura nennen amerikanische Beobachter die überholten Strukturen dieses Studiengangs. Dass die Berufspraxis fachliche Spezialisierung erfordere, hätten die Law Schools erkannt und entsprechende Ausbildungsschwerpunkte geschaffen. Dagegen würden praktische Aspekte wie Kanzleiorganisation, Mandantenorientierung, Personalführung oder Geschäftsentwicklung an den meisten Universitäten schlicht ignoriert. (Norbert Parzinger)