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29.01.2013 | Autor/in: Markus Lembeck
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Argumente finden: Saarbrücker Juristen entwickeln Suchmaschine

Es klingt wie eine Strafarbeit: Forscher wollen sämtliche online verfügbaren Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts durchsuchen, um an diesen Beispielen zu lernen, wie Argumente und Argumentationsstrukturen inhaltlich aufgebaut sind. Zum Glück erledigt eine Software die Lesearbeit.

Saarbrücken: Die Rechtsinformatik ist ein Aushängeschild der Universität.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt das Projekt „Argumentum“ mit insgesamt 1,4 Millionen Euro aus seinem Fördertopf eHumanities. Am Ende soll eine Suchmaschine entstehen, die nach der Eingabe einer rechtlichen Frage Dokumente anzeigt, die sich argumentativ mit genau dieser Frage auseinandersetzen. Argumentum könnte die Volltextsuche obsolet machen, bei der die Benutzer selbst die Tauglichkeit der Fundstellen bewerten müssen.

Beteiligt ist unter anderem die Universität des Saarlandes, wo das Institut für Rechtsinformatik die Federführung übernommen hat. Die spezialisierten Juristen um Professor Dr. Maximilian Herberger betreuen schon seit Jahren das Internetangebot des obersten deutschen Gerichts und konnten im vergangenen Herbst die Einrichtung einer Stiftungsprofessur für Rechtsinformatik vermelden (mehr …). In dem Forschungsprojekt kooperieren sie mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Europäischen EDV-Akademie des Rechts (EEAR).

So arbeiten Wissenschaftler verschiedener Disziplinen an dem innovativen Vorhaben. Die Rechtsinformatiker der Saar-Uni sind verantwortlich für die juristische Seite und entwickeln gemeinsam mit dem Institut für Wirtschaftsinformatik im DFKI um Professor Peter Loos die neuartige Software. Am DFKI werden außerdem unabhängig von den juristischen Inhalten die Satzkonstruktionen und Schlüsselwörter in den Argumentationsstrukturen analysiert.

Hinzu kommen Saarbrücker Philosophen um Professor Ulrich Nortmann, die das Projekt aus argumentationstheoretischer Sicht bearbeiten. Die Europäische EDV-Akademie des Rechts, eine vom Saarland und dem EDV-Gerichtstag gegründete gemeinnützige GmbH, testet und evaluiert die Entwicklungen während der gesamten Projektzeit. Bis 2015 soll der Software-Prototyp fertiggestellt sein.

Im Idealfall lassen sich die Erkenntnisse über Argumentationsstrukturen in juristischen Texten auch auf andere Fächer übertragen. Die beteiligten Wissenschaftler wollen daher die Suchmaschine über die juristischen Inhalte hinaus weiterentwickeln für eine Suche nach Argumentationen aller Art. (Markus Lembeck)

http://argumentum.eear.eu