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18.12.2012 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Appell: Rechtswissenschaftler müssen sich dem Zeitgeist anpassen

Der Wissenschaftsrat hat kürzlich den juristischen Fakultäten empfohlen, ihre Inhalte von Forschung und Lehre an aktuelle Veränderungen anzupassen. Rechtswissenschaftler müssten dabei unterstützt werden, denn vieles verändere sich in der Wissenschaft und dem Rechtswesen.

Die Studie des Wissenschaftsrates mit dem Titel „Perspektiven der Rechtswissenschaft in Deutschland. Situation, Analysen, Empfehlungen“ wurde im November veröffentlicht. Das Gremium berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder bei inhaltlichen und strukturellen Entwicklungen von Hochschulen, Wissenschaft und Forschung.

Kleinlich ist der Wissenschaftsrat in seinem Urteil nicht: Das ganze Spektrum eines Jura-Studiums und der Forschung sollte verbessert werden. Die gesamten Grundlagen der Rechtswissenschaft bedürften einer Überholung, sie seien zu spezialisiert. Das Ziel sollte eine fachübergreifende und außerfachliche Wissensvermittlung sein, hin zu einer umfassenden juristischen Bildung.

Interdisziplinär und international

Außerdem solle sich die Rechtswissenschaft Nachbardisziplinen zu öffnen, wie Wirtschaft, Medien oder Technik. Eine bessere Kenntnis der Bereiche, die vom Recht reguliert werden, kann zukünftigen Rechtsanwälten von großem Nutzen sein. Dabei erkennt der Rat aber an, dass die Studienangebote an vielen Hochschulen bereits sehr ausdifferenziert sind. Zum Beispiel an der Universität Augsburg: Hier wurde 2002 der interdisziplinäre Kombistudiengang Rechts- und Wirtschaftswissenschaften eingeführt. Der Wissenschaftsrat ruft ausdrücklich dazu auf, diesen Weg weiterzugehen, um Absolventen Mehrfachqualifikationen zu ermöglichen.

Auch international sollten sich juristische Fakultäten besser aufstellen, sowohl auf Seiten der Forschung als auch bei der Auswahl des Personals. Forschungsprofessuren könnten beispielsweise vermehrt eingesetzt und Forschungsdiskurse auf eine internationalere Ebene gehoben werden. Ein weiterer Kritikpunkt ist die Leistungsbewertung rechtswissenschaftlicher Forschung. Diese sollte transparenter sein. Ebenso sei die Orientierung am Mainstream nicht ideal: Alternatives Denken würde so verhindert. Stattdessen sollten Diskurse offen geführt werden und sich auch thematisch öffnen.

Eine Quote für die Wissenschaft

Voraussetzung für all die geforderten Veränderungen sei Perspektivenvielfalt. Denn Diversität des wissenschaftliches Personal garantiere qualitativ hochwertige Forschung, heißt es in der Studie. Der Wissenschaftsrat schlägt vor, Quoten verpflichtend einzuführen. Ein aktuelles Beispiel für eine gezielte Förderung von Diversität ist die Verleihung der Caroline-von-Humboldt-Professur. Im Dezember wird diese erstmalig an die Bundesverfassungsrichterin Susanne Baer überreicht. Mit dieser Auszeichnung soll die Arbeit von hervorragenden Professorinnen sichtbarer gemacht und unterstützt werden. Baer lehrt Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität Berlin. (Désirée Schliwa)

http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/2558-12.pdf