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27.11.2012 | Autor/in: Norbert Parzinger
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USA: Law Schools bilden gezielt für Inhouse-Karrieren aus

Die Anforderungen der Arbeit in Rechtsabteilungen fließen zunehmend in die amerikanische Juristenausbildung ein. Themen wie Compliance, Vertrags- oder Finanzrecht werden gezielt aus der Inhouse-Perspektive beleuchtet, dazu kommt ein stärkerer Trend zur Praxis.

Wie die US-Fachzeitschrift Corporate Counsel berichtet, haben eine ganze Reihe von Law Schools ihre Schlüsse aus dem Wandel der Inhouse-Landschaft in den letzten Jahren gezogen. Die Arbeit in den amerikanischen Rechtsabteilungen hat sich schneller und intensiver als in Deutschland verändert: Langzeitrends wie Technisierung, Outsourcing oder verstärkter personeller Austausch zwischen Unternehmen und Kanzleien wurden durch den krisenbedingten Kostendruck deutlich beschleunigt. Den Law Schools wird seit Jahren vorgeworfen, die Anforderungen des Berufsalltags zu ignorieren und allzu großen Wert auf fachliche Inhalte zu legen.

Die Universitäten reagieren inzwischen mit einer großen Bandbreite von Seminaren und Vorträgen, die speziell auf die Erfordernisse der Inhouse-Arbeit eingehen. Einführungen in die Arbeit von Unternehmensjuristen erhalten Studenten etwa in Stanford oder an der Columbus School of Law an der Catholic University of America. Zum Lehrpersonal zählen die ehemaligen General Counsel von Unternehmen wie Apple oder AIG.

Dazu kommen immer stärker praxisbezogene Inhalte. Themen wie Vertragsgestaltung oder Wirtschaftskriminalität werden häufiger als bisher in Form von Arbeitskursen behandelt. So plant etwa die University of Houston für Januar ein Seminar zum Foreign Corrupt Practices Act unter Leitung des Chief Compliance Officers beim Ölkonzern Baker Hughes und eines ehemaligen Bundesanwalts. Die Kursteilnehmer sollen juristische und technische Lösungen für spezifische, real existierende Fälle entwickeln.

Die University of Chicago setzt die Teilnehmer ihres ‚Corporate Lab‘ zur Analyse realer Fragestellungen ein, mit denen sich Unternehmen wie Microsoft an die Law School wenden. Ein von der öffentlichen Hand gefördertes Programm an der Northeastern University in Boston widmet sich der Unterstützung von Unternehmensgründern in armen Stadtbezirken. Derartige Law Clinics, umfangreiche Praktika und Planspiele etwa zu den Themen Transaktionen, Patentprozesse oder Insolvenzen sind an etlichen Hochschulen inzwischen fester Bestandteil der Ausbildung. 

In Deutschland fällt das speziell auf Inhouse-Arbeit zugeschnittene Kursangebot bislang spärlich aus. Auf die Bedürfnisse von Unternehmensjuristen zugeschnitten ist hierzulande allein der LL.M.-Kurs Legal Management an der privaten German Graduate School of Management and Law (GGS) in Heilbronn, der mit einjähriger Verspätung gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan erstmals im Oktober 2012 gestartet ist. Am ersten Durchgang nehmen zehn Juristen teil, die größtenteils bereits über Berufserfahrung verfügen. (Norbert Parzinger)