News
23.10.2012 | Autor/in: Désirée Balthasar
Themen in dieser Nachricht:

Münster: Stiftung fördert erste Juniorprofessur im IT-Recht

Die Universität Münster hat mit Dr. Franziska Böhm die erste Juniorprofessorin für den Forschungsbereich IT-Recht in Deutschland ernannt. Seit Oktober 2012 lehrt und forscht die 32-jährige Juristin an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, mit dem Schwerpunkt Zivilrecht in der Informationstechnologie. Für insgesamt sechs Jahre wird die Stelle von der Stiftung des Rheinisch-Westfälischen Technischen Überwachungsvereins (RWTÜV) gefördert.

Juniorprofessorin im IT-Recht: Dr. Franziska Böhm

Die Forschungsschwerpunkte der Juniorprofessorin sind Datenschutz- und IT-Recht, sowie Informations- und Medienrecht. Sie will sich auf komplexe zivilrechtliche Verträge konzentrieren, die bei größeren IT-Projekten zum Tragen kommen, und dafür rechtliche Rahmen schaffen. Betreut wird sie dabei von Professor Dr. Thomas Hoeren, Leiter des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht.

Bei der Finanzierung der Juniorprofessur war für die RWTÜV-Stiftung ausschlaggebend, dass wichtige rechtliche Fragen im Bereich IT als eine der Schlüsseltechnologien für die globale Wirtschaft bislang ungeklärt sind.

Die fachliche Voraussetzung für das Forschungsvorhaben erwarb die Juristin an der Université du Luxembourg. Sie promovierte zum Thema „Information Sharing and Data Protection“. Gleichzeitig war sie in der luxemburgischen Datenschutzbehörde tätig, wo sie sich interdisziplinären Aufgaben im Bereich des Datenschutzes und des Informationsrechts widmete. Böhm studierte Rechtswissenschaften an den Universitäten in Frankfurt an der Oder, Gießen und Nizza. Während ihres Aufenthaltes in Frankreich erwarb sie die ‚Licence en droit‘. Nach ihrem ersten Staatsexamen qualifizierte sie sich für den Magister Juris Internationalis.

Die Universität Münster hat mehrere Juniorprofessuren in verschiedenen Fachrichtungen eingerichtet. Seit deren bundesweiter Einführung vor zehn Jahren gab es vor allem zu Beginn viel Kritik. Der Grundgedanke war ursprünglich, Wissenschaftlern mit herausragender Promotion den Weg zu einer ordentlichen Professur ohne Habilitation zu ermöglichen. In der Realität verzichtet aber nur ungefähr ein Drittel darauf. Stärkere Internationalisierung, vermehrte Frauenförderung und Verjüngung der habilitierten Wissenschaftler waren ebenfalls Ziele, die nicht erreicht werden konnten. Ernsthafte Tenure-Track-Optionen, also die Zusage, nach einer befristeten Bewährungszeit eine Lebenszeitprofessur zu erhalten, gab es nur bei einer kleinen Minderheit. Dennoch steigt die Zahl stetig an. Insgesamt gab es 2010 in Deutschland 1.236 Juniorprofessuren. (Désirée Schliwa)