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31.07.2012 | Autor/in: Mathieu Klos
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Associategehälter USA: Wettrüsten der Top-Kanzleien drückt Marktdurchschnitt nach unten

Obwohl die Top-Kanzleien in den USA den Nachwuchs weiterhin mit extrem hohen Einstiegsgehältern ködern, sinkt das mittlere Einstiegsgehalt im Markt insgesamt. Hintergrund ist, dass weniger Berufseinsteiger zu Spitzengehältern eingestellt werden und mehr Absolventen schlechter bezahlte Jobs antreten.

Diesen Trend belegt eine aktuelle Statistik der NALP-Association for Legal Career Professionals. Im Vergleich zu 2009 ist der Median bei den Associate-Einstiegsgehältern in Kanzleien demnach um 35 Prozent gesunken. Vor zwei Jahren lag der Zentralwert der marktweiten Vergütungsskala bei 130.000 US-Dollar. 2010 sank diese Zahl auf 104.000, heute sind es noch 85.000.

Bei der Berechnung des Medians wird auch die Häufigkeit berücksichtigt, mit der Werte auf einer Skala vorkommen. Das nicht nach Häufigkeit gewichtete Durchschnittsgehalt in US-amerikanischen Kanzleien ist über die letzten zwei Jahre um 15 Prozent gesunken und liegt heute bei knapp 98.000 US-Dollar.

In den amerikanischen Medien wird dieser Trend als Beleg dafür gewertet, dass überhöhte Einstiegsgehälter zu einem dysfunktionalen Personalmarkt führen. Wegen der aktuell schlechten Wirtschaftslage in den USA können es sich auch die Top-Kanzleien immer seltener leisten, First-Year-Löhne von bis zu 160.000 US-Dollar zu bezahlen. Aus Sorge um ein schlechtes Image auf dem Bewerbermarkt traut sich jedoch bislang kein Marktteilnehmer, das werbewirksame Einstiegsgehalt zu senken.

Stattdessen rekrutieren diese Kanzleien weniger Spitzenabsolventen und arbeiten verstärkt mit schlechter bezahlten „Staff Attorneys“. Insgesamt entfallen deutlich weniger Stellen für Berufseinsteiger auf die größten Sozietäten im Markt. Großkanzleien mit über 250 Berufsträgern haben 2011 nur noch 21 Prozent der Berufsanfänger eingestellt; vor zwei Jahren waren es noch ein 33 Prozent. Dafür entfallen mehr Neueinstellungen auf kleinere Kanzleien mit bis zu 50 Anwälten. Auch die Zahl der frisch examinierten Juristen, die für Zeitarbeitsfirmen oder als Einzelanwälte arbeiten, nimmt zu.

In Deutschland sind die Wirtschaftskanzleien – auch dank der guten Konjunktur – von ähnlichen Entwicklungen noch weit entfernt. Das Angebot an guten Bewerbern reicht derzeit nicht aus, um den Bedarf der Kanzleien zu decken. Daher haben sich die deutschen Kanzleien im letzten Jahr bei den Einstiegsgehältern gegenseitig überboten (mehr…). Aktuell zahlt Milbank Tweed Hadley & McCloy das höchste Salär von 125.000 Euro für Berufsanfänger. Weitere 27 Kanzleien zahlen 100.000 Euro und mehr beim Berufsstart.

Sollte sich allerdings in Zukunft ihr wirtschaftliches Umfeld erheblich eintrüben, wären auch die deutschen Kanzleien gezwungen zu sparen. Dann könnten sie zu ähnlichen Maßnahmen wie die US-Kanzleien greifen. Bislang haben positive wie negative Entwicklungen bei den Gehältern aus den USA, über London kommend, immer auch die deutschen Kanzleien ergriffen. (Mathieu Klos, Norbert Parzinger)