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26.06.2012 | Autor/in: Markus Lembeck
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Potsdam: Jurafakultät wehrt sich gegen Schließungspläne

Nachdem eine Hochschulstrukturkommission das Ende einer eigenständigen Juristischen Fakultät in Potsdam empfohlen hat, formiert sich der Protest. Universitätspräsident Oliver Günther bezeichnete die Fakultät als „essenziellen Baustein“ der Hochschule, Studierende haben einen Protestmarsch unter dem Motto „Wir bleiben hier“ organisiert.

Die sogenannte Buttler-Kommission hatte im Auftrag des brandenburgischen Wissenschaftsministeriums die Hochschullandschaft untersucht und vor wenigen Wochen konkrete Vorschläge zu einer Neustrukturierung gemacht. Von den zwei grundständigen Studienangeboten im Fach Jura soll nur eines bestehen bleiben: „Die Kommission empfiehlt der Landesregierung, die Zusammenführung der beiden rechtswissenschaftlichen Studiengänge mit dem Abschluss Erste Juristische Prüfung an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder durchzuführen.“

Damit verbunden wäre auch ein Abbau der Studienplätze in diesem Bereich. „Die Studienplatzkapazitäten des verbleibenden Studienganges sollten in diesem Zusammenhang in angemessenem Umfang erhöht werden, ohne dass dabei eine vollumfängliche Aufrechterhaltung der bisherigen, auf zwei Studiengänge verteilten Juristenausbildungskapazitäten im Land erfolgen sollte.“ Potsdam soll sich dem Bericht zufolge auf „Public Governance“ konzentrieren und seine Jurafakultät mit der Wirtschafts- und Verwaltungswissenschaftlichen Fakultät vereinigen. In Frankfurt/Oder hingegen sollen mehr Anstrengungen unternommen werden, um die Abwanderung von Jurastudierenden aufzuhalten, die bislang häufig nach einigen Semestern an andere Universitäten wechseln.

Noch im Vorjahr hatte der Dekan der Potsdamer Jurafakultät, Hartmut Bauer, beklagt, dass die Stadt seine Fakultät mit ihren 16 Professoren und rund 1.700 Studierenden nicht richtig wahrnehme und den Sachverstand der ansässigen Professoren zum Beispiel in kommunalrechtlichen Fragen zu wenig nutze. Bei Studienanfängern ist Potsdam begehrt, nicht zuletzt wegen der Nachbarschaft mit Berlin. Auf rund 450 Studienplätze im Fach Jura gab es über 2.000 Bewerbungen.

Falls sich die Landesregierung den Empfehlungen der Kommission anschließt, wäre Brandenburg das zweite ostdeutsche Bundesland nach Mecklenburg-Vorpommern, das einen vollwertigen Jurastudiengang schließt. Dort war 2006 die Juristenausbildung auf die Universität Greifswald konzentriert worden, die Universität Rostock hatte das Nachsehen. Die Schließung führt auch nach vielen Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen den Hochschulen und der Regierung (mehr …) (Markus Lembeck)

Der Kommissionsbericht im Internet: http://www.mwfk.brandenburg.de/sixcms/detail.php/555458