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24.04.2012 | Autor/in: Markus Lembeck
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Köln: Deutsch-türkischer Doppelabschluss für Juristen ab 2013

Ab dem Wintersemester 2013 erweitert die Kölner Universität ihr Studienangebot um einen deutsch-türkischen Doppelabschluss im Fach Jura.

Nach dem Vorbild des deutsch-französischen Studienprogramms, das zwischen Köln und der Universität Paris I seit über zwanzig Jahren erfolgreich läuft, wird die Universität Köln zusammen mit der Istanbuler Kemerburgaz-Universität eine kleine Studierendengruppe in vier Jahren zum Bachelor of Laws (LL.B.) sowie gleichzeitig zum türkischen Juraabschluss „Lisans“ führen.

Die Kooperation zwischen Köln und Istanbul wurde vor knapp zwei Wochen vertraglich fixiert. Auf deutscher Seite hat Professor Dr. Heinz-Peter Mansel vom Institut für internationales und ausländisches Privatrecht das Projekt maßgeblich vorangetrieben. Er ist bereits für den einjährigen deutsch-türkischen Masterstudiengang verantwortlich und hat für den Bachelor innerhalb kurzer Zeit einen vielversprechenden Partner gefunden: die Stiftungsuniversität Kemerburgaz. Hinter der Neugründung, die erst im Studienjahr 2011/12 ihre Tore geöffnet hat, steht die finanzkräftige Mehmet-Altinbas-Stiftung.

In Köln wird das künftige Studienangebot am Zentrum für internationale Beziehungen betreut, das sämtliche internationalen Austausch- und Partnerprogramme der Kölner Juristen organisiert. „Für den ersten Jahrgang stehen 30 Studienplätze zur Verfügung“, erklärt Filiz Avkin, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zentrums. „Von den 30 Studierenden sollen 15 aus Deutschland und 15 aus der Türkei stammen. Alle Studierenden werden von Anfang an gemeinsam unterrichtet, zunächst zwei Jahre in Köln, danach zwei Jahre an der Istanbul Kemerburgaz Universität.“

Die türkische Hochschule erhebt von den deutschen Teilnehmern nicht die Studiengebühren, die regulär zu zahlen wären. Außerdem sind Professor Mansel und seine Mitstreiter weiterhin aktiv, um zusätzliche Stipendien einzuwerben, mit denen die Lebenshaltungskosten während des Türkeiaufenthalts abgedeckt werden können.

Die Absolventen sollen nicht nur im deutsch-türkischen Rechtsverkehr arbeiten können, sondern eine noch breitere internationale Perspektive erhalten. „Die Studienbewerber müssen für eine Zulassung sehr gute Deutsch- und Türkischkenntnisse mitbringen. Gute Englischkenntnisse sind erwünscht, jedoch keine Bedingung für die Aufnahme in den Studiengang“, sagt Avkin. „Der Studiengang verfolgt eine internationale Ausrichtung und qualifiziert die Studierenden für eine internationale Tätigkeit, die über den deutsch-türkischen Rechtsverkehr hinausgeht.“ Angedacht ist zum Beispiel der zusätzliche Erwerb eines Zertifikats im US-Recht, das in die beiden Kölner Studienjahre integriert werden kann.

Während der „Lisans“-Abschluss den direkten Zugang zu juristischen Berufen in der Türkei ermöglicht, müssen die deutschen Studierenden noch ein bis zwei Semester anhängen, um die erste Staatsprüfung zu absolvieren. Nach den Erfahrungen mit dem deutsch-französischen Studiengang rechnen die Verantwortlichen allerdings nicht mit Schwierigkeiten: Die Absolventen eines anstrengenden grenzüberschreitenden Studiums meistern in der Regel auch die Staatsprüfung in kurzer Zeit.

Im deutsch-türkischen Masterstudium Wirtschaftsrecht beginnt zum Wintersemester der dritte Jahrgang. Bewerbungen sind bis zum 15. Juli möglich. Dieses einjährige Studienprogramm, erstes seiner Art in Deutschland, führt die Universität Köln in Zusammenarbeit mit der Istanbuler Bilgi Universität durch. Auch hier studieren alle Teilnehmer gemeinsam und wechseln nach der ersten Hälfte vom Rhein an den Bosporus. (Markus Lembeck)