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02.02.2012 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Einstiegsgehälter: Kanzleien erhöhen ihren Einsatz

Im Wettlauf um die besten Absolventen haben vier weitere Kanzleien ihre Einstiegsgehälter erhöht. Baker & McKenzie, Mayer Brown, McDermott Will & Emery und Shearman & Sterling bieten zwischen 10.000 und 20.000 Euro mehr als noch vor einem Jahr.

Nominell den größten Schritt nach vorn machte im November Baker & McKenzie, die das Einstiegsgehalt pauschal von 85.000 auf 105.000 Euro erhöhte. Dafür zahlt die Kanzlei im ersten Berufsjahr keine Boni mehr; in der Vergangenheit konnten schon Associates im ersten Jahr auf diesem Weg bis zu 20.000 Euro zusätzlich verdienen. In den Folgejahren steigt
das Fixum dafür stärker leistungsabhängig als bisher. Senior Associates im sechsten Berufsjahr verdienen so bis zu 152.000 Euro Grundgehalt. Ab dem zweiten Jahr werden auch weiterhin leistungsabhängige Boni bezahlt, die von rund 10.000 auf bis zu 40.000 Euro im sechsten Jahr steigen können.

Alternativ zwei Monate Urlaub

Bis zu 15.000 Euro mehr als bisher verdienen Einsteiger bei Mayer Brown und McDermott Will & Emery. Mayer Brown bietet statt bislang 85.000 nun 100.000 Euro und schüttet zusätzlich Boni aus. Die Kanzlei setzt allerdings nicht nur auf Gehaltserhöhungen, sondern bietet ihren Associates auch die Möglichkeit, bis zu 50 Tage Jahresurlaub zu nehmen – bei entsprechend reduzierten Bezügen.

McDermott wiederum hat die Spanne zwischen Minimal- und Maximalgehalt leicht ausgeweitet und bezahlt statt 80.000 bis 90.000 Euro nun zwischen 90.000 und 105.000 Euro. Nach jedem Jahr Kanzleizugehörigkeit steigt das Festgehalt um 10.000 Euro. Wie bisher werden zusätzlich Jahresboni von bis zu 25.000 Euro bezahlt.

Bei Shearman & Sterling schließlich steigt das Einstiegsgehalt zum Jahreswechsel von 100.000 auf 110.000 Euro. Die Festgehälter für Associates im zweiten und dritten Jahr werden um je 15.000 Euro auf 115.000 und 125.000 Euro angehoben, dafür entfallen die bisher gewährten Boni. Diese setzen ab dem vierten Jahr wieder ein und bemessen sich nicht mehr ausschließlich am Geschäftserfolg der Kanzlei, sondern werden individuell bezahlt. Ohne Bonus verdienen die Anwälte im vierten Jahr statt 120.000 nun 140.000 Euro, bis zum siebten Berufsjahr steigt das Fixum auf 180.000 Euro.

Deutlicher Aufwärtstrend seit Ende 2010

Was das Gehaltsniveau angeht, zählen alle vier Kanzleien nun zur Spitzengruppe im Markt. Zu den Vorreitern der anhaltenden Aufwärtstendenz bei Associategehältern gehören sie aber nicht. Bereits Ende 2010 hatten einige Kanzleien ihre Einstiegsgehälter um bis zu 10.000 Euro erhöht, darunter die nach Anwaltszahlen größte Sozietät in Deutschland, CMS
Hasche Sigle (mehr…). Im Frühjahr 2011 schlossen sich unter anderem Allen & Overy und Taylor Wessing an (mehr…).

Für großes Aufsehen sorgte im Mai Milbank Tweed Hadley & McCloy, die ihr Einstiegsgehalt gleich um ein Viertel erhöhte (mehr…) und mit 125.000 Euro nach wie vor das höchste Fixum im Markt bietet. Im Sommer besserten weitere Wettbewerber nach, darunter Willkie Farr & Gallagher, Cleary Gottlieb Steen & Hamilton (mehr…) und Skadden Arps Slate Meagher & Flom (mehr…).

 

 

5 Prozent mehr für die idealen Bewerber

Nach einer JUVE-Erhebung bei über 200 Wirtschaftskanzleien in Deutschland beträgt der Durchschnitt des möglichen Maximalgehalts für Berufseinsteiger damit aktuell rund 72.000 Euro. Im Vorjahr lag dieser Durchschnittswert bei 68.600 Euro, 2009 bei 67.200 Euro. Bewerber mit Idealvoraussetzungen können heute demnach mit durchschnittlich 5,0
Prozent mehr Bruttolohn im ersten Jahr rechnen als noch Ende 2010. Die Steigerung seit dem Krisenjahr 2009 beträgt sogar 7,1 Prozent.

Dass die Kanzleien nicht ganz freiwillig tiefer in die Tasche greifen, ist dabei kein Geheimnis: Seit vergangenem Jahr melden die Sozietäten wieder steigenden Personalbedarf, während die Bewerber zögern. Die Perspektive der Arbeit in einer Wirtschaftskanzlei hat gegenüber den Boomjahren, die bis 2008 andauerten, deutlich an Attraktivität eingebüßt. (Norbert Parzinger)

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