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20.12.2011 | Autor/in: Markus Lembeck
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Bonn: Universität kassiert Promotionsantrag und Doktortitel

Die Universität Bonn hat einer Juradoktorandin ermöglicht, ihren Promotionsantrag zurückzuziehen, nachdem ihre Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht geraten war. Die Juristin kann ihre Dissertation nun überarbeiten, obwohl bereits ein Gutachten vorliegt. Das Entgegenkommen der Universität hat damit zu tun, dass unklar ist, ob die Doktorandin Texte ihres Doktorvaters kopiert hat oder umgekehrt.

Betreut hatte die Arbeit Professor Dr. Walter Frenz, Lehrstuhlinhaber für Umwelt- und Bergrecht an der RWTH Aachen, der bei Promotionsprojekten bislang regelmäßig mit der Bonner Universität zusammenarbeitete. Insgesamt 40 von 200 Seiten der Arbeit stimmten – ohne Kennzeichnung als Zitat – mit Abschnitten aus einem kurz zuvor erschienenen Band des Handbuchs für Europarecht überein, das von Frenz herausgegeben wird. Sowohl die Doktorandin als auch Frenz erklärten, Alleinverfasser der fraglichen Passagen zu sein.

Eine RWTH-Kommission zur Aufklärung wissenschaftlichen Fehlverhaltens konnte die Urheberschaft nicht abschließend klären. Nach Presseberichten stellte die Kommission allerdings fest, dass Frenz in seinen Handbüchern wiederholt Texte übernahm, die seine wissenschaftlichen Mitarbeiter erstellt hatten. Die Universität Bonn kündigte an, nicht mehr mit Frenz zusammenzuarbeiten und frühere, von ihm mitbetreute Promotionen zu überprüfen.

Wegen Fehlverhaltens erkannte die Bonner Universität außerdem einen Doktortitel aus dem Jahr 1980 ab. Der Titelinhaber hatte sich als Promotionsberater betätigt und war wegen Bestechung von Betreuern 2009 zu dreieinhalb Jahren Haft und 75.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden (mehr…). Rechtliche Grundlage der Aberkennung ist das „Gesetz über die Führung akademischer Grade“ aus dem Jahr 1939, das es Universitäten erlaubt, akademische Grade wieder zu entziehen, wenn sich der Träger durch späteres Fehlverhalten als „unwürdig“ erweist. (Norbert Parzinger)