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23.09.2011 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Großbritannien: Kanzleien setzen auf Jura-Azubis

Die Umbrüche in der britischen Hochschul- und Kanzleilandschaft zeigen unerwartete Wirkung: Zwei Inselkanzleien starten als Reaktion auf die weitere Erhöhung der Studiengebühren und die Einführung alternativer Kanzleimodelle eigene Ausbildungsgänge.

Die mit rund 150 Berufsträgern in Leeds und Bradford vertretene Sozietät Gordons nimmt ab September fünf Schulabgänger auf, die in einem vierjährigen Programm zu Legal Executives ausgebildet werden sollen. Dieser Status berechtigt in Großbritannien zur juristischen Beratung, meist in abgegrenzten Spezialgebieten, nicht aber zur Vertretung vor Gericht. Eine spätere Weiterqualifikation zum Solicitor ist möglich. Gordons-Lehrlinge erhalten ein Jahresgehalt von 9.620 Pfund (rund 10.800 Euro), außerdem übernimmt die Kanzlei die Studiengebühren.

Wie Managing Partner Paul Ayre unterstreicht, möchte die Kanzlei damit der absehbaren Verschlechterung der Bewerbersituation aufgrund weiter verringerter sozialer Mobilität entgegenwirken. „Beim Einstieg in die juristische Berufspraxis gibt es zahlreiche Beschränkungen. Das kann dazu führen, dass Menschen daran gehindert werden, als Rechtsberater Erfolg zu haben und Karriere zu machen, die dazu durchaus fähig wären“, sagte Ayre. „Zu diesen Beschränkungen gehört das vorgeschriebene Hochschulstudium. Aus verschiedenen Gründen können nicht alle intelligenten und ehrgeizigen 17- oder 18-Jährigen eine Ausbildung an der Universität antreten. Wir wollen einigen davon eine Chance bieten.”

Bereits Anfang Juni hatte Irwin Mitchell, mit rund 1.000 Berufsträgern an neun Standorten eine der größten nationalen Kanzleien in Großbritannien, den Start einer Kooperation  mit dem College of Law und dem Institute of Legal Executives bekanntgegeben. Im Rahmen der zunächst bis 2014 befristeten Zusammenarbeit führt die Kanzlei ein eigenes Aus- und Fortbildungsprogramm ein, an dem auch Mitarbeiter ohne juristische Vorqualifikation teilnehmen sollen.

Hintergrund der Ausbildungsoffensive ist die Erhöhung der Gebührenobergrenze an britischen Universitäten auf  9.000 Pfund (rund 10.100 Euro) pro Studienjahr, die bereits zu fallenden Studienanfängerzahlen führt. Im Zuge der Liberalisierung der Rechtsberatung durch den Legal Services Act können britische Kanzleien ab Oktober 2011 außerdem als sogenannte Alternative Business Structures operieren. Diese Einheiten dürfen Rechtsberatung auch durch Mitarbeiter anbieten, die nicht als Anwälte zugelassen sind. (NP)