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28.06.2011 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Monitoring: Marburger Studenten beobachten Kriegsverbrecherprozess

Völker-, Straf- und Prozessrecht von ihrer härtesten Seite lernen derzeit die Teilnehmer eines Monitoring-Projekts der Universität Marburg kennen.

Seit Ende 2010 schickt das Forschungs- und Dokumentationszentrum Kriegsverbrecherprozesse (ICWC) Studenten als Beobachter zu einem Verfahren am OLG Frankfurt. Dort wird gegen einen Ruander verhandelt, der wegen Völkermords angeklagt ist. Die Projektteilnehmer verfassen wöchentliche Berichte über den Prozess und besuchen parallel Vor- und Nachbereitungsseminare.

„Für das deutsche Strafprozessrecht sind Verfahren dieser Art mit Auslandsermittlungen, Zeugen aus fremden Kulturkreisen, Zusammenarbeit mit Regimen, deren Rechtsstaatlichkeit nicht sichergestellt ist, Neuland und bedürfen daher der genauen Beobachtung und wissenschaftlichen Auswertung“, sagte Professor Dr. Christoph Safferling, in Marburg Lehrstuhlinhaber für Straf-, Strafprozess- und Völkerrecht und fachlicher Leiter des Projekts. Die Berichte der Studenten sollen auch als Material für künftige wissenschaftliche Analysen dienen.

Am 2003 eingerichteten ICWC wurde ursprünglich vor allem rechtshistorisch geforscht, etwa zu Kriegsverbrecherprozessen gegen Deutsche und Japaner nach dem Zweiten Weltkrieg. In Kooperation mit dem War Crimes Studies Center der UC Berkeley entsandte das Zentrum 2009 erstmals Beobachter zu Kriegsverbrecherprozessen nach Kambodscha und Sierra Leone. Das aktuelle Monitoring-Projekt soll nach Angaben des ICWC den Auftakt zum langfristig geplanten Aufbau eines ständigen Beobachterteams bilden. (NP)

www.uni-marburg.de/icwc