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28.06.2011 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Einstiegsgehälter: Willkie und Cleary rücken an Marktspitze Milbank heran

Die Spirale bei den Associategehältern dreht sich weiter: Willkie Farr & Gallagher und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton greifen den bislang spendabelsten Arbeitgeber für Berufseinsteiger, Milbank Tweed Hadley & McCloy, an.

Willkie erhöht das Festgehalt für Associates im ersten Berufsjahr zum Juli von bisher maximal 90.000 auf pauschal 115.000 Euro. Vom zweiten bis siebten Berufsjahr steigt das Gehaltsfixum um jeweils 10.000 Euro. Cleary bezahlt ebenfalls ab Juli 110.000 bis 115.000 Euro für Berufseinsteiger; bisher hatte die Kanzlei 95.000 bis 100.000 Euro geboten.

Milbank hatte sich erst im Mai durch eine überraschende 25-prozentige Gehaltserhöhung mit Abstand an die Spitze des Feldes katapultiert und zahlt Einsteigern seither 125.000 Euro (mehr …). Dem kommen Willkie und Cleary nun sehr nahe, unter bestimmten Voraussetzungen können Associates dort sogar mehr verdienen. Willkie erhöht das Jahresgehalt nicht nach dem tatsächlichen Dienstalter, sondern jeweils zu Beginn eines neuen Kalenderjahrs. Ein Absolvent, der beispielsweise im Oktober zu Willkie stößt, soll demnach schon nach drei Monaten auf Milbank-Niveau bezahlt werden. Cleary gewährt außerdem unverändert Boni, die vom Jahresergebnis der Kanzlei abhängen. In der Vergangenheit bedeutete das für Associates jährliche Zusatzprämien in Höhe von rund zehn Prozent des Festgehalts.

Bei Willkie und Milbank kommt ein Großteil der Gehaltssteigerung hingegen dadurch zustande, dass bisherige Boni auf das Festgehalt umgelegt werden. Willkie belohnt künftig nur besonders herausragende Leistung oder außergewöhnlich gute Geschäftsjahre mit Bonuszahlungen. Milbank hat alle Boni in den ersten drei Berufsjahren gestrichen. Wie die Kanzleien betonen, soll die Gehaltssteigerung Hand in Hand mit verbesserten Weiterbildungsangeboten gehen. Milbank kooperiert etwa seit einiger Zeit mit der Harvard Law School und hat die Förderung ihrer Associates verbreitert. Kritiker sehen dennoch die Gefahr, dass die jüngste Gehaltsrunde einen Preiskrieg auslöst, in dem weder die Kanzleien noch ihre angestellten Anwälte nachhaltig profitieren. Zudem äußern Beobachter die Vermutung, dass die erhöhten Personalkosten teils auch zu Lasten der Mandanten gehen.

Nachdem in Krisenzeiten auch die Associates Lohneinbußen hatten hinnehmen müssen (mehr …), hatten schon Ende 2010 die ersten Kanzleien damit begonnen, die Einstiegsgehälter wieder zu erhöhen – wenngleich nicht auf dem nun erreichten Niveau. Mehr als 100.000 Euro können junge Volljuristen inzwischen bei einer ganzen Reihe von Kanzleien verdienen, darunter Jones Day, Allen & Overy, Weil Gotshal & Manges und Debevoise & Plimpton. Es ist aber kein Geheimnis, dass die neue Gebotsrunde nicht ganz freiwillig erfolgte: Während die Wirtschaftskanzleien wieder erhöhten Nachwuchsbedarf melden, ist das Interesse der Absolventen an dieser Berufsperspektive gesunken. (NP)

Was junge Juristen bei über 300 Kanzleien und anderen Arbeitgebern in Deutschland verdienen können, lesen Sie in den aktuellen azur100-Gehaltstabellen.