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30.11.2010 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Trend zur Praxis: Humboldt-Universität richtet Law Clinic ein

Zum laufenden Wintersemester hat das Institut für interdisziplinäre Rechtsforschung der Berliner Humboldt-Universität eine Law Clinic eingerichtet.

Die Teilnehmer belegen über ein Jahr hinweg zwei einsemestrige Lehrveranstaltungen; in der vorlesungsfreien Zeit absolvieren sie ein Praktikum bei einer Nichtregierungsorganisation oder spezialisierten Rechtsanwälten. Abschließend erstellen die Studenten einen Schriftsatz zu einem konkreten Fall und erhalten ein Teilnahmezertifikat. Schwerpunkt des ersten Durchgangs ist das Thema Menschenrechte. Zum kommenden Sommersemester startet ein zweiter Zyklus, der das Antidiskriminierungsrecht in den Fokus nimmt.

Die Law Clinic orientiert sich an amerikanischen Vorbildern und soll die Studierenden juristisch und praktisch am lebendigen Einzelfall ausbilden. In den USA werden derartige Programme von zahlreichen Law Schools angeboten, die häufig mit NGOs und lokalen Pro-Bono-Netzwerken zusammenarbeiten. Deutschlandweit gibt es mit dem Berliner Programm bereits zwei Legal Clinics: Seit Beginn des Wintersemesters 2010/11 setzt die Universität Hannover angehende Juristen unter Anleitung als freiwillige Rechtsberater für Kommilitonen aus allen Fakultäten ein (azur berichtete).

Zu den Betreuern der Law Clinic gehört die renommierte Öffentlich-Rechtlerin Professor Dr. Susanne Baer, die zum Jahreswechsel Richterin am Bundesverfassungsgericht wird. Baer promovierte 1995 zum Thema „Würde oder Gleichheit? Zur angemessenen grundrechtlichen Konzeption von Recht gegen Diskriminierung am Beispiel sexueller Belästigung am Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutschland und den USA“ und hat sich seitdem eine internationale Reputation als Juristin und Geschlechterforscherin aufgebaut. Die erklärte Feministin folgt in Karlsruhe auf den seit 2001 amtierenden Richter Brun-Otto Bryde. (NP)