News
30.11.2010 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in dieser Nachricht:

Großes Vorhaben: WP-Gesellschaften finanzieren Masterstudiengang

In dreieinhalb Jahren sollen zukünftig Bachelor-Absolventen den Master of Science (M.Sc.) im Bereich Wirtschaftsprüfung erwerben können. Für Norddeutschland wurde die Universität Lüneburg ausgewählt. Im Westen kooperieren die Universitäten Münster und Bochum, die für ihre gemeinsame Master-Klasse den Studienort Düsseldorf einführen werden. In Frankfurt wird es gleich zwei parallele Kurse geben: An der Goethe-Universität sowie an der Frankfurt School of Finance and Management. Für den Südwesten geht die Universität Mannheim ins Rennen. Dort startet der erste Durchgang bereits im Mai 2011. Jeweils 30-40 Teilnehmer sind vorgesehen; die WP-Gesellschaften garantieren den Hochschulen die Mindestteilnehmerzahl und bezahlen auch die Studiengebühren.
Die Big Four verfolgen mit ihrem Angebot verschiedene Ziele. Zum einen beklagen sie die unterschiedliche Qualifikation der von ihnen eingestelleten Bachelor-Absolventen und wollen das fachliche Niveau der Berufsanfänger angleichen. Zugleich soll das theoretische Wissen mit der Praxis eng verzahnt werden. Während der Studienzeit liegt das Verhältnis von Universität und Praxis bei 40:60, die Studienabläufe werden an das zeitliche Korsett der Wirtschaftsprüfer angepasst.
Außerdem soll es demnächst jüngere Wirtschaftsprüfer geben. Wer den Audit-Master bestanden hat, dem werden die Fächer Recht und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre/Volkswirtschaftslehre für das WP-Examen angerechnet. Damit reduziert sich die Prüfungslast für dieses Examen, das als schwerstes Berufsexamen gilt, auf die Fächer Steuern und Prüfungswesen. Zielstrebige Kandipost_daten mit Bachelor und Master könnten schon sieben bis acht Jahre nach dem Abitur das WP-Examen absolvieren.
Welche Auswirkungen die Big-Four-Initiative auf die Hochschullandschaft hat, ist noch ungewiss. Die WP-Gesellschaften wehren sich gegen den Verdacht, die WP-Ausbildung mit einem selbstfinanzierten Angebot monopolisieren zu wollen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer in Deutschland (IDW) will als weiterer Kooperationspartner dafür sorgen, dass auch mittelständische Prüfungsgesellschaften Teilnehmer in die Studiengänge schicken können. PwC-Partner Gerhard Zimmer spricht von einem skalierbaren Modell, das bei Bedarf auch mehr Studierende aufnehmen könne.