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30.03.2010 | Autor/in: Alke Hamann
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Führende Kanzleien beenden Gehalts-Freeze

Der Winter war lang und kalt, die Wirtschaftskrise ist noch nicht überwunden. Ungeachtet dessen haben die ersten Kanzleien in Deutschland angekündigt, die eingefrorenen Associategehälter mit Beginn des neuen Geschäftsjahres wieder aufzutauen.

Freshfields Bruckhaus Deringer gab bekannt, dass ihre Associates ab Mai mit Erreichen der nächsten Senioritätsstufe automatisch auch wieder eine Gehaltsstufe aufsteigen. Auch Lovells, Clifford Chance und Allen & Overy beschlossen das Ende der eingefrorenen Gehälter in ihren Sozietäten.

Den Anfang hatten aber schon zum Jahresbeginn Kanzleien mit US-Hauptquartier gemacht. Deren Geschäftsjahr endet traditionell zum Jahresende, britische Kanzleien schließen ihre Bücher in der Regel erst Ende April.
So beschloss Latham & Watkins, den Associate-Lockstep wieder in Gang zu setzen. Die Kanzlei ging sogar noch ein Stück weiter: Associates rückten jetzt nicht nur in die nächste Gehaltsstufe auf, sondern überspringen die Stufe, die 2009 ausgesetzt worden war. Außerdem erhöhte Latham für die Gehaltsklassen zwischen dem zweiten und dem fünften Berufsjahr die Grundvergütung, um die Gehaltseinbuße nachträglich zu kompensieren. Dazu kommt bei Latham ein vergleichsweise hoher Bonusanteil. Dieser fällt in diesem Jahr durchschnittlich höher aus als im Jahr zuvor. Die Einstiegsgehälter bleiben unverändert bei 100.000 Euro.

Freshfields hatte genau genommen ihren Gehaltsstopp von vorne herein auf ein Jahr befristet und lässt nun die regulären Gehaltsstufen wieder wirksam werden. Die personalverantwortliche Partnerin Kirsten Floss aus dem Kölner Büro kündigte zudem an, dass die Kanzlei – wie Latham – das Aussetzen 2009 ausgleichen werde: „Im Laufe des nächsten Geschäftsjahres werden wir die Vergütung unserer Associates im Zuge einer Vereinfachung des Gehaltssystems noch einmal anheben. Als angenehmer Nebeneffekt dieser Umstellung wird dann jeder wieder das seiner Seniorität entsprechende Gehalt haben, das er oder sie ohne den Freeze hätte.“ Auch einen Bonus kündigte die Kanzlei an.

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Volker Geyrhalter, Hogan Lovells

Auf Nachfrage von JUVE bestätigten weitere Kanzleien, ab Ende April ähnlich zu agieren. Pünktlich zum Wirksamwerden der Fusion mit Hogan & Hartson beendet etwa Lovells ihren Gehaltsstopp. So sagte Dr. Volker Geyrhalter, Recruiting-Partner der Kanzlei: „Wir heben den Freeze zum 1. Mai auf und sind derzeit dabei, die Details für die Gehaltsrunde festzulegen“. Derzeit zahlt Lovells den Associates im ersten Jahr 85.000 bis 95.000 Euro plus Bonus. In normalen Jahren erhalten Associates je Senioritätsstufe zwischen 7.000 und 10.000 Euro mehr.

Ähnlich ist die Situtation bei Clifford Chance. Ende April endet dort die Stopp-Periode für die Associate-Gehälter. Damit steigen die Associategehälter ab Mai im bisherigen Rhythmus nach geltendem Lockstep. Das Fixum für Berufseinsteiger bei Clifford beträgt derzeit bis zu 100.000 Euro. Im folgenden Jahr steigt das Salär um 5.000, in allen weiteren Jahren um bis zu 15.000 Euro an.

Das Ende der Kälteperiode bei den Associategehältern bestätigte auch Neil Weiand, deutscher Managing-Partner, für Allen & Overy zum Geschäftsjahresende (30. April). Die Magic-Circle-Kanzlei hebt die Maßnahme weltweit auf. „Von dem genannten Zeitpunkt an werden wir Gehälter turnusmäßig überprüfen und gegebenenfalls anpassen“, sagte Weiand.
Bereits 2009 hatte die Partnerschaft der Kanzlei die Vergütungsstruktur der deutschen Associates überarbeitet und die Saläre um 5.000 bis 15.000 Euro je nach Stufe gesenkt. Erhielt ein Berufseinsteiger bei Allen & Overy 2008 noch 100.000 Euro, bezahlt die Kanzlei seit dem vergangenen Jahr nur noch 95.000 Euro. Der Grund hierfür: Aktuell sollen Berufsanfänger nicht mit dem gleichen Gehalt einstiegen wie ein vom Gehaltsstopp betroffener Associate im zweiten Jahr. Er erhält derzeit 100.000 Euro pro Jahr. Associates im vierten Berufsjahr erhalten fortan 120.000 Euro statt zuvor 135.000 Euro.

Bird & Bird diskutiert derzeit noch über die Aufhebung des Gehaltsfreeze. Die Partnerschaft habe aber noch keine Entscheidung getroffen, hieß es aus Kanzleikreisen, werde dieses aber bis Ende April tun. Eine ganze Reihe internationaler Sozietäten hatte in Frühjahr 2009 unter dem Eindruck der sich ausweitenden Wirtschaftskrise und rückläufiger Anwaltsumsätze beschlossen, weltweit ihre Associategehälter einzufrieren (mehr.). Auch die deutschen Associates mussten diese Sparmaßnahmen damals mittragen. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen in anderen Ländern mussten sie in der Regel aber keine zusätzliche Gehaltskürzung hinnehmen.

Der größte Teil der Kanzleien hatte die Gehälter zunächst nur für ein Geschäftsjahr eingefroren. Wahrscheinlich ist deshalb, dass in den kommenden Wochen weitere Kanzleien den Gehaltsstopp zurücknehmen werden. Bislang hat nach JUVE-Informationen noch keine deutsche Kanzlei die Verlängerung der Eiszeit beschlossen. (Antje Neumann, Mathieu Klos)