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30.03.2010 | Autor/in: Markus Lembeck
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Die Kanzlerin sagt Ja: Neues zum Bachelor im Jurastudium

Wenn man bei diesem Thema allerdings Einigkeit in der Bundesregierung erwartet, liegt man falsch. Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger betonte zur gleichen Zeit den hohen Wert der Staatsexamina. „Ich bin skeptisch, ob sich unser hoher Standard bei einer Ausdehnung des Bologna-Prozesses halten ließe“, sagte sie in einem Interview. „Wir sollten deshalb überlegen, wie die deutsche Juristenausbildung unabhängig vom Bologna-Prozess noch besser werden kann.“
Im Herbst 2008 hatten die Justizminister der Bundesländer eine grundlegende Studienreform auf die lange Bank geschoben. Bis 2011 wolle man die Angelegenheit weiter prüfen. In diesen Stillstandsbeschluss integrierten die Landesminister außerdem einen weiteren Aufschub: Auch die Bewertung der zuletzt erfolgten Reform von 2003 mit Einführung der universitären Schwerpunktangebote und -prüfungen sollte später erfolgen.
Derweil legte der Stiferverband für die Deutsche Wissenschaft im März ein umfangreiches Positionspapier zum gleichen Thema vor. Tenor des Papiers: Die Umstellung auf Bachelor-/Master-Abschlüsse ermöglicht eine Reform des Jurastudiums. Das Modell sieht ein dreijähriges Bachelorstudium als Regelstudiengang vor, das mit einem Bachelor of Law (LL. B.) endet. Wer einen der reglementierten Berufe ergreifen will, also Richter, Staatsanwalt, Rechtsanwalt oder Notar werden will, soll wie bisher eine einheitliche staatliche Prüfung absolvieren. Sie entspräche der bisherigen Pflichtfachprüfung und wäre die Eingangsprüfung für das zweijährige juristische Referendariat. Genug Kontinuität also, um den Traditionalisten die geliebten Staatsprüfungen zu erhalten, und genug Reform nach Meinung des Stifterverbandes, um die bisherige Fixierung auf den Richterberuf zu korrigieren.