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24.11.2009 | Autor/in: Alke Hamann
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Volle Hörsäle und Proteste: Turbulenter Start ins Wintersemester

Seit mehreren Wochen gehen die Studierenden in Deutschland und Österreich auf die Straße: sie demonstrieren für bessere Lernbedingungen an den Universitäten, gegen die Umsetzung der Bachelor- und Master-Studiengänge und in Deutschland auch gegen Studiengebühren. In zahlreichen Universitäten wurde das Audimax besetzt, um den Forderungen der Studenten mehr Nachdruck zu verleihen und auch Jurastudenten reihen sich in die Protestbewegung ein.

Ganz konkrete Themen formulierten Jurastudierende in der österreichischen Hauptstadt. An der Universität Wien hat eine „Arbeitsgruppe Juridicum“ einen Forderungskatalog aufgestellt und an den Dekan Heinz Mayer übergeben, in dem unter anderem die Umstellung auf ein Bachelor/Master-Studium abgelehnt und strukturelle Änderungen des Jura-Studiums gefordert werden.

Aber auch an den Juristischen Fakultäten in Deutschland begann das Wintersemester mit Strukturproblemen. An zwei Universitäten fanden der Jura-Nachwuchs erschwerte Bedingungen vor: in Augsburg und Bonn wurden durch geänderte Zulassungsverfahren die juristischen Fakultäten von Studienanfängern geradezu überschwemmt, die nun in überfüllten Hörsälen um einen Platz kämpfen müssen.

An der Universität Bonn wurden 590 Jurastudenten zugelassen, statt der vorgesehenen ca. 350, nachdem die Fakultät die Zulassung erstmals nicht über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) gesteuert, sondern selbst übernommen hat. Da sich Studienanfänger erfahrungsgemäß an mehreren Universitäten bewerben, um ihre Chance auf einen Studienplatz zu erhöhen, hatte die Universität auch mehr Zusagen an Bewerber verschickt, um entsprechende Schwankungen auszugleichen. Die Zahl der tatsächlichen Anmeldungen war dann aber wesentlich höher als erwartet, so dass nun die Fakultät den Ansturm mit zusätzlichen Veranstaltungen und durch Ausweichen auf größere Veranstaltungsräume bewältigen muss.

An der Universität Augsburg fielen die Zulassungsbeschränkungen für den Studiengang Rechtswissenschaften zum Wintersemester 2009/2010 ganz weg und entsprechend voll wurde es für die Erstsemester. Um 35% ist die Zahl der Erstsemester gestiegen, wie Studentenvertreter angeben. Die allgemeinen Studenten-Proteste setzen sich unterdessen fort. An zahlreichen Hochschulen wurden Protestwochen angekündigt, in Leipzig besetzten Studenten gestern symbolisch den Hörsaal der Universität, in dem heute am 24.11. die Mitglieder der Hochschulrektorenkonferenz tagen. Die Protestbewegung erhält dabei vielfache Solidaritätsbekundungen aus Politik und Gesellschaft, konkrete Verbesserungen gibt es aber wenig. Als ein erstes Zugeständnis kündigte Bildungsministerin Anette Schavan in der vergangenen Woche eine Erhöhung des BaföG 2010 an und räumte handwerkliche Fehler bei der Umsetzung der Bachelor/Master-Studiengänge ein.(Alke Hamann)