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30.06.2009 | Autor/in: Markus Lembeck
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Zwei deutsch-türkische Universitäten mit rechtswissenschaftlicher Fakultät geplant

Gleich zwei deutsch-türkische Universitäten sollen mit Beteiligung der Bundesregierung beziehungsweise des Landes Nordrhein-Westfalen in der Türkei entstehen und sowohl deutsche als auch türkische Abschlüsse anbieten. Noch in diesem Jahr soll die erste der beiden Universitäten den Lehrbetrieb aufnehmen. Anfang letzter Woche wurde unter Beteiligung von bundesweit 22 Hochschulen ein deutsches Hochschulkonsortium gegründet, das unter der Leitung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) die Gründung einer Deutsch-Türkischen Universität (DTU) in der Türkei vorbereiten soll. Aufgabe des Hochschulkonsortiums wird es sein, die akademische Ausgestaltung der DTU mit den türkischen Projektverantwortlichen abzustimmen und zum Beispiel die Einzelheiten der Universitätsgründung, der Zulassung und Finanzierung auszuarbeiten.
Geplant ist eine staatliche, wissenschaftliche Einrichtung in Istanbul, an der mittelfristig 5000 Studierende ihren Abschluss entweder als gemeinsamen oder Doppel-Abschluss machen können. Die türkischen Partner werden das Gelände, Gebäude und Infrastruktur zur Verfügung stellen und die laufenden Kosten tragen. Auf deutscher Seite umfassen die Beiträge etwa die Entsendung von Dozenten, die Entwicklung der Curricula, Material für den Aufbau eines Sprachlernzentrums sowie die Gewährung von Zuschüssen zu Stipendien, Fortbildungsmaßnahmen und Ortsgehältern. Die Kosten hierfür trägt das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), aber auch die Einbindung von privaten Stiftungen und Wirtschaftsunternehmen ist vorgesehen.
Es ist geplant, dass die DTU noch in diesem Jahr zum Wintersemester mit fünf Fakultäten, darunter eine rechtswissenschaftliche, den Betrieb aufnehmen wird. Unter der Leitung des Rechtswissenschaftlers Prof. Dr. Philip Kunig hat die Freie Universität Berlin federführend den Aufbau der juristischen Fakultät übernommen. Kunig ist gleichzeitig einer der Vizepräsidenten des neu gegründeten Hoschschulkonsortiums und beschreibt die Zielsetzung für seine neue Aufgabe: „Die Juristische Fakultät der DTU in Istanbul soll eine Ausbildungs- und Forschungsstätte für türkisches, europäisches und deutsches Recht auf höchstem Niveau werden.“

Ähnlich ambitioniert klingen auch die Pläne von Faruk Sen für die geplante Deutsch-Türkische Stiftungsuniversität in Izmir. Der Vorstandsvorsitzende der Deutsch-Türkischen Stiftung für Bildung und wissenschaftliche Forschung (DTS) und ehemalige Leiter des Zentrums für Türkeistudien erklärte: „Ich will eine elitäre Hochschule – klein aber fein, für höchstens 3900 Studenten, die als Absolventen dann gute Perspektiven haben.“
Das Gelände für die geplante Hochschule wurde vom türkischen Tourismusministerium bereits zur Verfügung gestellt. Im Wintersemester 2010/2011 soll die Stiftungsuniversität den Betrieb aufnehmen, zunächst noch in gemieteten Räumen und mit zunächst vier Fakultäten – darunter auch eine juristische. Die Finanzierung tragen bisher die türkische Republik und das Land Nordrhein-Westfalen, aber auch bei der Deutsch-Türkischen Stiftungsuniversität ist die Beteiligung von privaten Sponsoren, besonders Wirtschaftsunternehmen, vorgesehen. Lehrsprache an der Universität wird deutsch sein und ebenso wie an der DTS sollen deutsche und türkische Abschlüsse gemacht werden können. Mit der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Uni Bochum, der Universität Münster, der Fachhochschule Gelsenkirchen und der Sporthochschule Köln hat bereits eine Reihe von nordrhein-westfälischen Hochschulen ihre Kooperation bei dem Aufbau der einzelnen Fachbereiche zugesagt. (ham)