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26.05.2009 | Autor/in: Markus Lembeck
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Insolvenzrecht: Universitäten setzen auf das Krisenthema

Das Insolvenzrecht steht nicht nur im Mittelpunkt, wenn es um die Zukunft von Autobauern oder Warenhauskonzernen geht. Es findet auch immer stärkere Beachtung an den deutschen Hochschulen – zum Beispiel in Leipzig, Köln, Heidelberg und Mannheim.Zuletzt verkündete die Juristenfakultät der Universität Leipzig die Gründung eines eigenen Instituts für Unternehmenssanierung und Insolvenzrecht. Benannt ist es nach dem Leipziger Professor Dr. Ernst Jaeger, der von 1905 bis 1935 an der Hochschule lehrte und das Konkursrecht in Deutschland prägte.
Die Leitung hat der Dekan der Juristenfakultät und ehemalige Richter am Bundesgerichtshof, Professor Dr. Christian Berger. Geplant ist nach Auskunft Bergers, Nachbardisziplinen wie die Betriebswirtschaftlehre in Forschung und Lehre zu integrieren. Besonderes Augenmerk liegt auf der Nachwuchsarbeit: Leipzig will Promotionsprogramme anbieten, einen Aufbaustudiengang durchführen und eine allgemein zugängliche Spezialbibliothek einrichten.
Die Universität Köln, schon seit den aktiven Zeiten von Professor Dr. Wilhelm Uhlenbruck ein Zentrum des Insolvenzrechts, hat bereits im Vorjahr ein Institut für Internationales und Europäisches Insolvenzrecht gegründet. Die speziell auf grenzüberschreitende Fragen ausgerichtete Einrichtung wird von den Professoren Ehricke, Prütting und Vallender geleitet. Vallender ist zugleich Leiter des Kölner Insolvenzgerichts und auch in seiner beruflichen Praxis mit den internationalen Aspekten von Insolvenzverfahren befasst. In der vergangenen Woche veranstalteten die Kölner Wissenschaftler ihr erstes Symposium.
Der erste Aufbaustudiengang im Bereich Sanierung und Insolvenz läuft seit Beginn des Wintersemesters 2008/09 an der Universität Heidelberg. Der LL.M. in Unternehmensrestrukturierung wird von einer gemeinnützigen Gesellschaft getragen, an der die bekannte Insolvenzkanzlei Wellensiek und die Unternehmensberatung Roland Berger beteiligt sind. Die Bewerbungsfrist für den zweiten Durchgang läuft bis zum 15. Juli. Das Heidelberger Programm integriert fachliche Aspekte aus den Bereichen Jura, Wirtschaft, Management und Kommunikation.
Bereits seit 2006 existiert in Mannheim das Zentrum für Insolvenz und Sanierung (ZIS). Es ist an den Lehrstuhl von Professor Dr. Bitter angebunden, der dort praxisnahe Forschungen zu Unternehmenskrisen organisiert. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Aus- und Weiterbildung im Bereich des Insolvenz- und Sanierungsrechts, auch hier interdisziplinär: Forschung und Lehre beziehen die der betriebs- und
volkswirtschaftlichen Grundlagen mit ein. Sowohl die vom ZIS veranstalteten Mannheimer Insolvenzrechtstage als auch die Abendsymposien zu aktuellen Insolvenzthemen sind regelmäßig gut besucht. Seit Anfang des Monats unterstützt ein Kuratorium aus Unternehmen, Banken und Kanzleien die Mannheimer Aktivitäten. Auf der Gründungsversammlung übergaben die Mannheimer Insolvenzverwalter Peter Depré und Karl-Heinrich Lorenz als Vorstandsmitglieder des ZIS-Fördervereins einen Scheck über 44.000 Euro. Mit dem Geld soll eine halbe Mitarbeiterstelle sowie der Aufbau einer insolvenz- und sanierungsrechtlichen Bibliothek gefördert werden. (ML)