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28.04.2009 | Autor/in: Markus Lembeck
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Private Juristen-Ausbildung: Anlauf in Wiesbaden

Das Land Hessen, an Universitätsstädten nicht besonders arm, möchte auch die Hauptstadt Wiesbaden mit Hilfe der European Business School (EBS) zur Universitätsstadt zu machen. Die von der privaten EBS seit Jahren gehegten Pläne für eine Juristische Fakultät sollen dort Wirklichkeit werden.Das Land und die Stadt Wiesbaden wollen Zeitungsberichten zufolge insgesamt 25 Millionen Euro für eine erste Förderung ausgeben. Mittelfristig soll das Studienangebot ausschließlich privat finanziert werden. Den Investitionsanteil der Hochschule bezifferte deren Leiter mit rund 125 Millionen Euro.
Bisher gibt es an der EBS nur einen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt, der allerdings im konsekutiven Studienprogramm mit dem „Master in Business & Law“ auch das Wirtschaftsrecht berührt.
Der Plan sieht vor, bei voller Auslastung der Jahrgänge 800 Jurastudentinnen und -studenten auszubilden. Der erste Jahrgang mit 150 bis 200 Teilnehmern könnte im September 2011 starten. Zum Vergleich: An der ersten privaten Jura-Hochschule, der Bucerius Law School in Hamburg, beginnen pro Jahrgang 100 Studierende. Allerdings haben die Hamburger ihrerseits schon vor Jahren angefangen, auch in Richtung wirtschaftswissenschaftlicher Ausbildung zu expandieren: Mit der ebenfalls privaten WHU in Vallendar bieten sie einen einjährigen Master of Law and Business an.
Die EBS hat gegenwärtig rund 1.200 Studenten, die zum größten Teil in Oestrich-Winkel auf dem Campus um Schloss Reichartshausen unterrichtet werden. 2008 zog die private Hochschule mit ihrer Verwaltung und einigen Instituten in das gut zehn Kilometer entfernte Wiesbaden. Im dortigen Palais Söhnlein sollen auch die Juristen angesiedelt werden. Möglicherweise kann die EBS aber auch das jetzige Gebäude des Wiesbadener Amts- und Landgerichts nutzen, das zum Jahr 2010 frei wird.
Bei Vertretern staatlicher Hochschulen ist das private Jura-Studienangebot auf Widerstand gestoßen. Gerade erst hat die Universität in Frankfurt/Main mit großem Aufwand ihr House of Finance eröffnet, in dem auch Teile der juristischen Ausbildung stattfinden. Dort beheimatet ist zum Beispiel das Institute for Law and Finance. Auch in Wiesbadens unmittelbarer Nachbarstadt auf der anderen Rheinseite, Mainz, gibt es eine große juristische Abteilung, die innerhalb des Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereichs eng mit den Ökonomen kooperiert.
Die betriebswirtschaftliche Ausbildung an der EBS erhält von vielen Seiten sehr gute Bewertungen. Ob es der Privathochschule gelingen kann, diesen Ruf auf eine Rechtsfakultät zu übertragen, ist eine spannende Frage. Der zeitliche Vorsprung der Bucerius Law School ist beträchtlich, und ob eine bloße Kopie des Hamburger Erfolgsrezepts zahlungskräftige Studierende nach Wiesbaden locken würde, erscheint fraglich. Auch der Zeitpunkt einer privaten Neugründung ist ungünstig, da viele potenzielle Förderer angesichts der Wirtschaftslage vermutlich weniger freie Mittel haben als früher. (ML)