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24.02.2009 | Autor/in: Markus Lembeck
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Reaktionen auf die Krise: Großkanzleien auf Sparkurs

Eingefrorene Gehälter und Sparkurs auf allen Ebenen: Bei den europäischen Großkanzleien hinterlässt die Finanz- und Wirtschaftskrise deutliche Spuren. Allerdings treffen die Sparanstrengungen nicht ausdrücklich die Berufsanfänger, wie der folgende Überblick über vier Kanzleien zeigt. Außerdem bedeutet der Personalabbau nicht automatisch, dass die Einstellungszahlen sinken – in den zurückliegenden Wochen haben viele Sozietäten betont, weiterhin auf der Suche nach hochqualifizierten Berufsteinsteigern zu sein.

ALLEN & OVERY geht auf Sparkurs

Bei Allen & Overy sollen weltweit 47 Partner gehen, ebenso rund 100 Associates sowie 200 Support-Kräfte. Das entspricht jeweils einer Quote von etwa neun Prozent. Weitere sieben Prozent der Partner – etwa 35 – werden Lockstep-Punkte einbüßen, hieß es Mitte Februar.

Etwa die Hälfte der Partnerentlassungen und Punktereduktionen wird das Londoner Büro betreffen. Konkrete Entscheidungen sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres Ende April getroffen sein. Seit Dezember hatte die Kanzlei über die Maßnahmen beraten.

Deutschland bewege sich im Rahmen der weltweiten Quote, teilte ein Sprecher der Kanzlei mit. Derzeit sind für Allen & Overy hierzulande 31 Partner und 95 Associates tätig. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass zwei bis drei Partner und rund zehn Associates gehen müssen. Die Anzahl der betroffenen Support-Mitarbeiter dürfte noch höher liegen. Die Kanzlei betonte, die anstehenden Entlassungen hätten nichts mit Qualitätsmängeln zu tun, sondern seien allein der derzeitigen Auftragslage geschuldet.

Allen & Overy beschränkt die Maßnahmen jedoch nicht auf Personalabbau. Auf allen Ebenen wird das Gehalt im laufenden Jahr eingefroren. Noch Mitte Januar hatte es aus der Kanzlei in Deutschland geheißen, eine solche Maßnahme sei nicht geplant. Damit präsentiert Allen & Overy das bislang umfangreichste Kostensenkungspaket der großen Londoner Kanzleien. Wim Dejonghe, weltweiter Managing Partner der Kanzlei, sagte: „Es gibt derzeit einfach nicht genug Arbeit, um alle unsere Mitarbeiter ausreichend zu beschäftigen.“ Er könne nicht erkennen, dass sich dies kurz- oder mittelfristig ändert. Die Kanzlei würde jetzt handeln, da sie finanziell gut dastehe und entsprechend den Entlassenen bessere Angebote machen könne. (jat)

FRESHFIELDS BRUCKHAUS DERINGER: Eingefrorene Gehälter

Mit Freshfields Bruckhaus Deringer hat sich im Februar auch die größte Kanzlei hierzulande entschlossen, die Gehälter für ihre angestellten Anwälte auf dem jetzigen Stand einzufrieren. Die üblicherweise mit jedem Jahr der Kanzleizugehörigkeit gezahlte Gehaltserhöhung wird es im kommenden Geschäftsjahr nicht geben. Die Entscheidung gilt zunächst für ein Jahr bis Ende April 2010. Eine Ausnahme bilden die Anwälte, die im kommenden Jahr zu Principal Associates befördert werden. Diese Gruppe wird die vorgesehenen Gehaltssteigerungen auch im kommenden Jahr erhalten.

Die Maßnahme diene der Kostenkontrolle, hieß es seitens der Kanzlei. „Von den Auswirkungen der gegenwärtigen Krise bleibt auch Freshfields nicht verschont“, sagte der deutsche Managing Partner Dr. Manfred Finken. Das Beratungsgeschäft gehe insgesamt zurück, und es sei absehbar, dass sich dieser Trend im kommenden Geschäftsjahr 2009/10 fortsetzen und noch verstärken werde. „Wir sind entschlossen, die Sozietät erfolgreich durch diese schwierige Zeit zu führen und gestärkt aus der Wirtschaftskrise herauszukommen. Dazu müssen alle einen Beitrag leisten, die Partner voran“, so Finken. Von einigen Partnern war bereits zu hören, dass auch Freshfields mit einem spürbaren Rückgang der Gewinne rechnet.

Zur Höhe der durch den Gehaltsstopp eingesparten Gelder wollte sich Finken nicht äußern, doch hat Freshfields an ihren sechs deutschen Standorten aktuell 420 Associates, die alle zwischen 90.000 und 135.000 Euro verdienen. Mit der aktuellen Entscheidung dürften also allein in Deutschland Mehrausgaben in Höhe von mehreren Millionen Euro wegfallen. „Wie in allen Dienstleistungsbereichen üblich, bilden auch bei uns die Personalkosten den größten einzelnen Block“, sagte Finken. Über eventuelle Boni werde am Ende Geschäftsjahres entschieden, damit besondere Leistungen auch weiterhin honoriert werden können.

Ebenso wie bei Latham & Watkins, die eine ähnlich Maßnahme bereits im Januar verkündete, soll die Entscheidung auch bei Freshfields international gelten. Während in London zusätzlich auch die Einstiegsgehälter um etwa zehn Prozent gesenkt werden, gilt dies für den deutschen Markt nicht. Derzeit zahlt Freshfields hierzulande zwischen 90.000 und 100.000 Euro. (AN)

CLIFFORD CHANCE: Starker Abbau der Partnerzahl

Clifford Chance will die Zahl der Partner entscheidend verringern. Sowohl Equity- als auch Non-Equity-Partner werden Clifford verlassen müssen. Zudem können Partner ihre bisherige Position im Lockstep verlieren, daneben seien auch Kündigungen auf Associate-Ebene möglich. Dies teilte die britische Kanzlei Anfang Februar mit, die so ihre Profitabilität sichern will.
In welchem Ausmaß die anvisierten Schritte Deutschland betreffen, ist dabei bislang noch nicht offiziell bekannt. Die Partnerschaft muss den Maßnahmen noch zustimmen. Den Plänen zugrunde liegt eine intensive interne Überprüfung der Struktur der Kanzlei.

„Ich glaube nicht, dass Clifford Chance jemals eine ähnliche Untersuchung und solche Schritte unternommen hat. Keiner von uns hat jemals so viel Unruhe im Markt gesehen“, sagte der weltweite Managing Partner David Childs gegenüber JUVE. „Wir bedauern es sehr, dass wir zu diesen Maßnahmen greifen müssen. Aber in der gegenwärtigen Marktlage haben wir wenig Alternativen“, so Childs weiter. Die Maßnahmen deuten auch auf eine Veränderung in der Gewichtung der Praxisgruppen hin. Insbesondere der Corporate-Bereich könnte weiter an Bedeutung gewinnen. „Schon vor Jahren haben wir erkannt, dass die Corporate-Praxis stärker unterstützt werden sollte“, so Childs. „Das hat dazu geführt, dass wir weltweit eine der führenden M&A-Praxen geworden sind.“

Über das Ausmaß der Einschnitte in Deutschland sagte Childs nichts, betonteaber, „dass die deutschen Partner in den vergangenen Jahren Erhebliches geleistet haben. Die Kanzlei konkurriert jetzt auf Augenhöhe mit den anderen Top-Kanzleien in Deutschland.“ Die Reaktionen von Clifford-Partnern in Deutschland fallen zum großen Teil positiv aus: „Es ist absolut notwendig, dass etwas unternommen wird und es bringt nichts, nur Associates rauszuschmeißen. Auch wir müssen die Verantwortung tragen“, so ein Partner. „Hauptsache, es wird zügig durchgezogen.“ Ein zweiter Partner sagte: „Es ist höchste Zeit für Maßnahmen und es wird harte Einschnitte geben. In den vergangenen beiden Jahren hat der Elan ein bisschen nachgelassen und dass der schwächer werdende Markt auch uns trifft, ist klar.“

Die proaktive Kommunikation der geplanten Einschnitte sei positiv. „Problematisch ist nur, dass diejenigen Partner, die es betrifft, jetzt eher Schwierigkeiten haben werden, anderweitig unterzukommen. Das wäre nicht passiert, wenn wir zu diesen Maßnahmen vor zwei Jahren gegriffen hätten“, so der Partner weiter. (Gr)

LINKLATERS: Konkrete Pläne für Großbritannien

Linklaters hat Ende Januar im Londoner Kanzleihauptsitz Eckdaten ihres weltweiten Restrukturierungsprogramms vorgestellt – allerdings nur auf Großbritannien bezogen. Danach sollen dort im Rahmen von Linklaters New World‘ 100 bis 120 Associate-Stellen gestrichen werden. Daneben werden in der so genannten Business Service-Abteilung bis zu 150 Arbeitsplätze wegfallen. Simon Davies, Managing Partner von Linklaters, sagte: „Die Finanzmärkte sowie die breite Wirtschaft sind grundlegenden Änderungen unterworfen worden. Davon sind auch unsere Mandanten betroffen. Wir müssen jetzt unsere Personalstärke reduzieren, um die voraussichtliche Nachfrage zu befriedigen.“

Auf die Anzahl der Partner, die von der Restrukturierungsrunde betroffen sind, ging Davies nicht ein. Beobachter gehen von bis zu 70 Partnern weltweit aus. In Deutschland ist Linklaters weiter auf Beschwichtigungskurs. Senior Partner Dr. Michael Lappe machte gegenüber JUVE deutlich, dass sich die Kanzlei hierzulande im Rahmen von ‚New World‘ von keinem Associate trennen werde. „Wir kündigen nicht und wir drängen niemandem eine Trennung auf. Wir sind in Deutschland gut aufgestellt.“ In den Business Services werde es dagegen zu einzelnen „sozial verträglichen Trennungen“ kommen, so Lappe. Wie viele Partner durch das weltweite Restrukturierungsprogramm gehen werden müssen, wollte Lappe nicht kommentieren. „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen.“In der vergangenen Woche hieß es intern bei Linklaters, vier bis fünf Partner würden gehen. (pop)