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16.12.2008 | Autor/in: Markus Lembeck
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Bochum erforscht, ob die Hochschulreformen wirken

Ein interdisziplinäres Team von Bochumer Forschern beschäftigt sich ab April 2009 mit den Auswirkungen der Hochschulreformen der letzten zehn Jahre. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und vereint Politik- und Verwaltungswissenschaftler, Juristen und Soziologen der Ruhr-Universität (RUB). Sie erhalten dafür insgesamt 650.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und von der Hans-Böckler-Stiftung. Das Forschungsteam nimmt nicht nur die Reformen des Bologna-Prozesses unter die Lupe: Alle Reformmaßnahmen seit Ende der 1990er Jahre werden untersucht und bewertet.
Die so genannte Binnenmodernisierung der Hochschulen hat zahlreiche neue Steuerungsmöglichkeiten eröffnet. Dazu zählen zum Beispiel Zielvereinbarungen, die Einrichtung von Hochschulräten und Verfahren der leistungsorientierten Mittelvergabe, sowohl zwischen Land und Hochschulen wie auch innerhalb der Hochschulen. Mit dem Ziel, leistungsfähiger und effizienter zu werden, setzen die Hochschulen häufig verschiedene neue Instrumente gleichzeitig ein. Entsprechend verändert haben sich die Mechanismen, die dabei ineinander greifen – in der sozial- und rechtswissenschaftlichen Forschung werden diese Mechanismen mit dem Begriff „Governance-Regime“ bezeichnet.
Das interdisziplinäre Forscherteam der RUB untersucht nun erstmals diese Governance-Regime in der Gesamtschau. Bis 2011 erfassen die Forscher alle Reformmaßnahmen an sämtlichen Universitäten in Deutschland, sie dokumentieren Probleme bei der Umsetzung neuer gesetzlicher Vorgaben und sie untersuchen schließlich die Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit der Universitäten. Anknüpfungspunkte ergeben sich aus bisherigen Einzel-Studien, zum Beispiel zur Institution der Hochschulräte. Dazu hatten Bochumer Forscher bereits im Frühjahr 2008 Ergebnisse vorgelegt.
Die wissenschaftliche Leitung des Projekts liegt bei drei Professoren: Dr. Jörg Bogumil (Lehrstuhl Vergleichende Stadt- und Regionalpolitik), Dr. Rolf Heinze (Lehrstuhl für Allgemeine Soziologie, beide von der Fakultät für Sozialwissenschaft) und Dr. Martin Burgi (Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Öffentliches Recht, Juristische Fakultät). Sie kooperieren mit Dr. Manfred Wannöffel, der die gemeinsamen Arbeitsstelle. Das BMBF fördert das Projekt in der Förderinitiative „Neue Governance der Wissenschaft – Forschung zum Verhältnis von Wissenschaft, Politik und Gesellschaft“ mit 412.000 Euro. Die Hans-Böckler-Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes stellt 238.000 Euro zur Verfügung.
Im Internet: http://rubigm.ruhr-uni-bochum.de/ZAP/SteuerungUNI.htm