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29.07.2008 | Autor/in: Markus Lembeck
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European Law School: Start mit Sommerakademie

Mit Partnern in Frankreich und Großbritannien hat Professor Dr. Dr. Stefan Grundmann, Ordinarius an der Humboldt-Universität Berlin, die European Law School (ELS) ins Leben gerufen. Für die deutschen Studierenden geht es im Herbst los. Die Bewerbungsrunde für den 2. deutschen Jahrgang läuft bis zum 15. August. Im September veranstalten die Berliner Juristen ihre erste Sommerakademie.Die ELS ist Grundmanns Initiative für ein übernationales Studienformat, mit dem ein europäischer Elite-Nachwuchs bei den Juristen gefördert werden soll. Grundmann ist Jurist, auch Honorarprofessor in Oxford, und zugleich Kunsthistoriker. Er legt Wert darauf, dass die juristische Ausbildung in einen kulturellen Kontext eingebettet ist.
Die allererste Sommerakademie für die ELS-Studenten beginnt am 5. September. Das zehntägige Treffen hat zwei Themen, die bewusst nicht rein fachjuristisch angelegt sind. Die erste Reihe heißt „Verhandeln im bürgerlichen Drama des 18. Jahrhunderts und in der heutigen Rechtswirklichkeit“. Zweites Thema der Summer School ist Max Weber – „von der Rechtsdogmatik und Rechtsgeschichte zur Soziologie des Rechts“.
Die Partner der Humboldt-Universität sind die juristische Fakultäten der Universitäten Paris 1 und 2 sowie das King’s College London. In ihrer Startphase ist die ELS mehr oder weniger eine virtuelle Hochschule, deren Geschäftsstelle an Grundmanns Lehrstuhl in Berlin angesiedelt ist. Die Studierenden selbst sollen als Netzwerker die Hochschule bilden. In jedem Jahrgang sollen jeweils zehn Teilnehmer aus den drei Ländern ihre internationale Ausbildung beginnen. Die deutschen Studierenden sind die ersten, die in diesem Herbst ins Ausland gehen – nach Paris zuerst, danach verbringen sie ein Jahr in London. Die französischen und englischen Kommilitionen folgen im Herbst 2009 – ab dann sind also immer drei Zehnergruppen gleichzeitig unterwegs.
Mit voller Absicht soll eine neue Elite entstehen, so Grundmann: „Wir möchten einen europäischen Juristenstand schaffen.“ Ziel ist eine europäische Juristenausbildung, in deren Verlauf die Studierenden eng kooperieren und die beiden fremden Rechtsordnung mehr als nur oberflächlich kennenlernen. Außerdem ist es kein postgraduales Studium, das an vielen Hochschulen angeboten wird: die ELS bietet ein grundständiges Studium.
Dafür benutzt man die Spielräume, die die nationalen Examen der drei Partnerländer lassen. Für die deutschen Teilnehmer bedeutet das ELS-Modell, dass sie innerhalb von drei Jahren den „staatlichen Teil“ ihres ersten Examens an der Humboldt-Universität absolvieren und darin auch geprüft werden. In den folgenden zwei Jahren gehen sie jeweils für ein Jahr nach Paris und London, um dort den universitären Teil des Ersten Examens zu absolvieren und zugleich den französischen Master und den englischen LL.M. zu erwerben.
Aus den vier inhaltliche Schwerpunkten für das vernetzte Studium müssen die Studenten ein Gebiet wählen: Zivilrecht, Wirtschaftsrecht, Öffentliches Recht oder Strafrecht. Diese Schwerpunkte sollen die Teilnehmer dann in ihrer europäischer Dimension kennenlernen, außerdem rechtsvergleichend beherrschen und drittens auch die unterschiedlichen Methoden der ausländischen Juristen kennenlernen.
Der zeitliche Rahmen und die inhaltliche Vielfalt ist für die Studierenden natürlich anspruchsvoller als klassische Studiengänge, „aber machbar“, so die Initiatoren. Die Belastung der Studierenden ist höher, aber auch nicht so viel mehr als im klassischen Staatsexamen. Gefordert sind Sprachkenntnisse, Neugier, und auch Mut. In jedem Land sollen Paten gefunden werden, um die auswärtigen Teilnehmer in die jeweiligen nationalen Rechtskreise persönlich einzuführen.
Die Stiftung, aus der die Mittel für die ELS stammen, ist aufgebaut und für den Anfang ordentlich dotiert. Es sind einige große Kanzleien und Unternehmen, die Beiträge geleistet haben: Linklaters, CMS Hasche Sigle, Nörr Stiefenhofer Lutz, P+P Pöllath + Partners sowie die Deutsche Börse, Vattenfall, Siemens und der Verlag Walter de Gruyter.
Professor Grundmann sucht trotz des Engagements der Erststifter weitere Unterstützer und Sponsoren. Zum Jahr 2010 – dem 200. Gründungsjahr der juristischen Fakultät der HU – könnte eine Initiative „200×2000“ ins Leben gerufen werden. Hier würden 200 Stifter einmalig 2.000 Euro spenden, dies ergäbe 400.000 Euro auf einen Schlag. Alle Stifter würden in der ELS einen festen Platz finden: Denn obwohl das Konzept zunächst eine virtuelle Hochschule vorsieht und auf die Vernetzung der beteiligten Personen setzt, möchte Grundmann im „Alten Palais“ Wilhelms I. mit der ELS heimisch werden. Die entsprechenden Räume werden zur Zeit noch von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät genutzt, könnten aber nach einer Renovierung zur festen Anlaufadresse für Studierende, Mitarbeiter und Stifter werden.

Im Internet: http://www.european-law-school.eu