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24.06.2008 | Autor/in: Markus Lembeck
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Max-Planck-Gesellschaft: Jüngster Doktorand ist Jurist

Dr. Sebastian Martens (28) erhält als jüngster Doktorand der Max-Planck-Gesellschaft deren Otto-Hahn-Medaille verliehen. Die vor über einem Jahr abgeschlossene Promotion zu dem Thema „Durch Dritte verursachte Willensmängel“ untersucht auf rechtshistorischer und rechtsvergleichender Grundlage den einschlägigen Paragrafen des BGB. Sie wurde an der Universität Regensburg mit „Summa cum laude“ bewertet. Schon früher war Martens schnell: Das Erste Staatsexamen legte er kurz vor seinem 24. Geburtstag ab. Aktuell ist er Referendar und zugleich wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Professor Dr. Reinhard Zimmermann am Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht. Im Interview erklärt er seine Motivation. (ML)F: Was hat Sie angespornt, Ihr Studium und Ihre Promotion so schnell zu absolvieren?

A: Ich habe mich nicht darum bemüht, besonders schnell zu sein. Allerdings wollte ich auch möglichst wenig Zeit verschenken. Denn Ausbildung ist schön und wichtig, letztendlich aber doch nur Vorbereitung für den Beruf. Im Übrigen kommt es mir persönlich nicht so vor, dass ich meinen Ausbildungsweg schnell absolviert habe. Ich bin in England zur Schule gegangen und meine damaligen Klassenkameraden sind mittlerweile alle schon seit vielen Jahren berufstätig. Geschwindigkeit ist relativ, und im internationalen Vergleich sind wir in Deutschland ziemlich langsam.

F: Hätten Sie gerne auf das Referendariat verzichtet und direkt Ihre wissenschaftliche Arbeit fortgesetzt?
A: Reine Wissenschaft ohne Praxisbezug erscheint mir sinnlos. Daher war die praktische Erfahrung des Referendariats für mich sehr wertvoll. In der Wahl der Ausbildungsstationen ist man in Hamburg recht frei. Ich konnte daher vielfältige Eindrücke sammeln, die mir später bestimmt weiterhelfen werden. Unglücklich finde ich jedoch die Gestaltung des Zweiten Staatsexamens, das zum Aufbau eines Wissens zwingt, das man zu einem großen Teil nur für genau eine Klausur braucht.

F: Nach allem, was Sie über die Arbeit in Kanzleien wissen (etwa durch die Station bei Hengeler Mueller): Welcher Aspekt einer Anwaltstätigkeit würde Sie am meisten interessieren? Welcher am wenigsten?
A: Mir haben die Arbeit an Schriftsätzen und der Einsatz für das Recht des Mandanten in Prozessen viel Spaß gebracht. Auch die gestaltende Begleitung an einer großen Transaktion fand ich sehr befriedigend, wenn es zu einem erfolgreichen Abschluss kam. Wenig Lust hätte ich dagegen, als Teil eines Teams an einer (Immobilien) Due Diligence mitzuwirken.

F: Sie sind demnächst drei Monate an der Botschaft in Neu Delhi tätig. Das Auswärtige Amt liegt in einigen Bewerber-Ranglisten regelmäßig weit vorne. Warum ist das so, Ihrer persönlichen Einschätzung nach?
A: Die Wahlstation nach den Klausuren ist vielleicht die letzte Möglichkeit, noch einmal drei Monate lang ein Land seiner Wahl kennenzulernen. Das Auswärtige Amt bietet dafür die vermutlich besten Möglichkeiten mit (hoffentlich) interessanter Arbeit zu geregelten Zeiten, die einem noch Freiräume für Entdeckungen des Landes lassen.

F: Was macht die Arbeit am Max-Planck-Institut für Sie reizvoll?
A: Wir sind, wenigstens in Deutschland, von der Ausstattung her äußerst privilegiert. Vor allem unsere Bibliothek ist in Europa wohl einzigartig. Zudem haben wir ständig interessante internationale Gäste, viele Vorträge und Tagungen, auf denen man Anregungen bekommt und gute Kontakte knüpfen kann. Und last but not least finde ich die Arbeitsatmosphäre sehr angenehm!