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28.11.2007 | Autor/in: Markus Lembeck
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Forschungsprojekt zu Energienetzen mit Bochumer Juristen

Das internationale Projekt „UNECOM – Unbundling of Energy Companies: Will it be worth
it?“ hat seine Arbeit aufgenommen. Das Institut für Berg- und Energierecht (IBE) der Ruhr-Universität Bochum mit Professor Dr. Johann-Christian Pielow liefert juristischen Input. In den kommenden zwei Jahren wollen die beteiligten Forscher die Intensivierung des Wettbewerbs in der europäischen Energiewirtschaft erforschen – aus ökonomischer, technischer und juristischer Sicht. Das Projekt wird mit rund 720.000 Euro gefördert, die je zur Hälfte von der niederländischen Wissenschaftsstiftung Next Generation Infrastructures, Delft, und aus Mitteln der Wirtschaft stammen.
Neue Gesetzesvorschläge der Europäischen Kommission sehen zur Schaffung
von mehr Wettbewerb die Zerschlagung von „integrierten“ Energieunternehmen vor – Konzernen also, die sowohl Strom erzeugen bzw. Gas importieren, Energie liefern und zugleich Strom- oder Gastransportnetze betreiben. Unter Ökonomen, Technikern und Juristen ist stark umstritten, ob die eigentumsrechtliche Trennung des Netzbetriebs bzw. Alternativvorschläge der Kommission wie die Schaffung „unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber“ tatsächlich zu mehr Wettbewerb führen würden.
Die anvisierte Eigentumsentflechtung (Ownership Unbundling) ist auch im internationalen Vergleich innovativ. Zwar existieren entsprechende Ansätze in Großbritannien, Spanien, der Schweiz und jetzt auch in den Niederlanden. Jedoch ist der Einfluss verschiedener Entflechtungsformen vor allem auf die Investitionen in
die Netze und Kraftwerke bisher kaum erforscht. „Auch lassen sich Vorbilder aus anderen Ländern nicht ohne Weiteres auf die spezifischen technischen, wirtschaftlichen wie rechtlichen Strukturen in Deutschland übertragen – will man nicht ernsthafte Versorgungskrisen billigend in Kauf nehmen“, so Professor Pielow. Ziel des Forschungsprojekts UNECOM sei es daher, kritisch-konstruktive Impulse für den Gesetzgebungsprozess auf europäischer Ebene und die spätere Umsetzung in den EU-Staaten zu entwickeln.
Um die europäische Dimension des Projekts zu betonen, sind Universitäten aus mehreren Ländern beteiligt. Die Forschergruppe wird angeführt von dem renommierten Energieökonomen Prof. Gert Brunekreeft (Jacobs University Bremen/Bremer Energie-Institut). Neben Bochum wirken ferner die Universität Tilburg mit dem Tilburg Law and Economics Center (Prof. Pierre Larouche), die Wirtschaftsuniversität Wien (Prof. Christoph Weiss) sowie die Technische Universität Delft (Prof. Rolf W. Künneke) mit.
Im Internet: www.unecom.de