News
19.12.2006 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in dieser Nachricht:

Juristischer Praxistest für elektronische Siegel

Am 4. und 5. Dezember haben die Universität Kassel und das Fraunhofer-Institut für sichere Informationstechnologie (SIT) ihre Forschungen über elektronisch signierte Dokumente einem Praxistest unterzogen: In simulierten Gerichtsverfahren prüften Richter, Rechtsanwälte und Gutachter die Tauglichkeit eines sogenannten Transformationssiegels.Das Transformationssiegel soll dafür sorgen, dass elektronisch signierte Dokumente auch nach einer „Transformation“ – also zum Beispiel nach dem Abspeichern einer signierten .doc-Datei in einem anderen Format, etwa als PDF – ihre Beweiskraft behalten.
Nach Auskunft des Veranstalters, Professor Dr. Alexander Roßnagel von der Kasseler Projektgruppe Verfassungsverträgliche Technikgestaltung (provet), brachte die Simulationsstudie zahlreiche Anregungen: „Es gab Denkanstöße zur Verbesserung einzelner Features aber auch zur Verbesserung des gesamten Konzepts.“ So wurde der Vorschlag gemacht, die Protokollfunktionen im Transformationsprozess zu verbessern und beispielsweise das Scannen als Protokollfeature mit aufzunehmen. Auch die konsequente Benutzung von Zeitstempeln bei Transformationen würde die Handhabbarkeit der Siegel im gerichtlichen Alltag verbessern. Das Forschungsprojekt mit dem Namen TransiDoc hat noch fünf Monate Zeit, um die Praxis-Empfehlungen umzusetzen – im April 2007 ist planmäßig Schluss.
Die Transformation ist in bestimmten Branchen ein alltäglicher Vorgang. So konvertieren Baubehörden die von Architekten eingereichten Pläne in zwei oder drei Formate, die in der Behörde weiterverarbeitet werden können – unglücklicherweise verwenden Architekturbüros über hundert verschiedene Dateiformate, sodass das Originalformat und damit auch eventuell vorhandene elektronische Signaturen häufig verloren gehen.
Ein weiteres Problem ist die Archivierung von Dateien. Wenn im Laufe der Jahre ältere Software-Versionen nicht mehr verfügbar sind und archivierte Dateien, die mit dieser älteren Software erstellt wurden, neu gespeichert werden müssen, dann verschwindet mit der erneuten Speicherung die elektronische Signatur – die Beweiskraft des ursprünglichen Dokuments geht verloren.
http://www.transidoc.de