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29.08.2006 | Autor/in: Markus Lembeck
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Großkanzleien erhöhen die maximalen Gehälter

Drei weitere Kanzleien haben auf die massiven Steigerungen bei den Einstiegsgehältern der letzten Monate reagiert. Freshfields Bruckhaus Deringer zahlt seit August Associates im ersten Berufsjahr ein Gehalt von bis zu 95.000 Euro. Auch die Gehälter für alle weiteren Associatestufen stiegen. Clifford Chance und Lovells erhöhten ebenfalls: Berufseinsteiger verdienen maximal 90.000 bzw. 87.000 Euro.Freshfields zahlte Berufseinsteigern bislang zwischen 75.000 und 80.000 Euro. Künftig unterscheidet die Kanzlei in den ersten drei Jahren drei verschiedene Gehaltsbänder. Demnach verdienen Berufseinsteiger 80.000, 90.000, maximal aber 95.000 Euro. Im zweiten Jahr sind 92.500, 100.000 oder 105.000 Euro und im dritten Jahr 105.000, 110.000 oder 115.000 Euro möglich. Der Bonus, den Freshfields bislang ab dem dritten Jahr zahlte, entfällt. Stattdessen setzt die Kanzlei auf höhere Fixgehälter. Außerdem orientiert sie ihre Bezahlung nun nicht mehr an starren Formalien wie Doktor- oder LL.M.-Titeln, sondern will mehr auf die individuellen Qualifikationen und den Eindruck des jeweiligen Bewerbers reagieren.
Associates im vierten Jahr erhalten künftig 120.000 Euro plus einen Bonus von bis zu 10.000 Euro. Dieser ist abhängig von der individuellen Performance. Eine Gehaltsanpassung gibt es auch bei den Principal Associates (Ernennung mit dem 5. Jahr der Kanzleizugehörigkeit). Die ersten von ihnen waren erst Anfang Mai ernannten worden und erhielten ein Fixum von 120.000 Euro und zusätzlich einen Bonus. Künftig erhalten sie 10.000 Euro mehr Fixgehalt. Der Bonus beträgt im fünften Jahr 20.000 Euro und steigt in den beiden Folgejahren bis zur Partnerentscheidung jeweils um 10.000 Euro.
Gehälter an der Marktspitze wird es auch in Zukunft bei Clifford nicht geben. Die Kanzlei hebt zwar zum November sämtliche Associate-, einschließlich der Counsel-Gehälter an, bleibt aber wie in der Vergangenheit bewusst etwas unter der Marktobergrenze. Im ersten Berufsjahr erhalten die Associates künftig 10.000 Euro mehr als bislang, also ein Grundgehalt von 90.000 Euro. Alle übrigen Associategehälter vom 2. bis zum 6. Berufsjahr erhalten sogar 15.000 Euro mehr an Jahresfixum. Dies sind 100.000, 110.000, 125.000 sowie 135.000 bzw. 145.000 Euro. Dazu kommt traditionell ein Bonus. Auch die Clifford-Counsel profitieren von dieser Gehaltsrunde. Zwar bleibt ihr Fixgehalt stabil bei 130.000 Euro. Angehoben wird jedoch die Bemessungsgrundlage für ihre Boni, die sich ähnlich der Associates-Boni an der individuellen und der Kanzlei-Perfomance bemessen.
Auch Lovells bleibt ihrer Linie treu, ihre Mitarbeiter etwas unterhalb der Höchstmarke zu bezahlen. Berufseinsteiger erhalten ab September ein Grundgehalt zwischen 77.000 und 87.000 Euro. Die Höhe ist abhängig von den Qualifikationen des Bewerbers. Soweit bekannt, zahlte die Kanzlei Associates im ersten Berufsjahr bislang maximal 75.000 Euro. Alle bereits beschäftigten Associates erhalten künftig 6.000 Euro mehr. Mitarbeitern mit überdurchschnittlichen Leistungen zahlt die Kanzlei zudem einen Bonus in Höhe eines Monatsgehalts.
In den vergangenen Monaten hatten Hengeler Mueller, Gleiss Lutz und Cleary Gottlieb Steen & Hamilton ihre Einstiegsgehälter erhöht. Hengeler legte dabei im Mai mit 90.000 Euro eine neue Höchstmarke für das Grundgehalt in deutschen Kanzleien vor. Im Juni überboten Gleiss und Cleary die deutsche Top-Kanzlei noch einmal um 5.000 Euro. An diesem Höchstwert orientierte sich nun auch Freshfields. Einige Beobachter hatten zwar mit einer Erhöhung gerechnet, aber vermutet, dass Freshfields sich eher an Hengeler orientiert und daneben auch auf die Zugkraft des Kanzleinamens baut.
Da weder Freshfields noch Clifford oder Lovells die 95.000 Euro überboten haben, scheint eine stabile neue Höchstmarke bei den deutschen Einstiegsgehältern gefunden zu sein. Die Mehrzahl der deutschen Top-Kanzleien hat bislang noch nicht mit neuen Gehaltszahlen auf die Vorgaben von Gleiss und Cleary reagiert. Die meisten Partnerschaften diskutieren jedoch über ähnliche Schritte.
„Wir haben darüber nachgedacht, ob wir bei den Spitzen-Einstiegsgehältern 90.000 oder gleich 95.000 Euro zahlen sollen“, sagte Dr. Nikolaus Schrader, Human-Resources-Partner bei Freshfields. „Die Entscheidung für 95.000 Euro fiel uns leicht. Wir wollen unsere Mitarbeiter an dem steigenden Geschäftserfolg der letzten Monate beteiligen und auch im Markt ein Zeichen setzen.“ Beobachter meinen aber auch, dass Freshfields unter besonderem Druck gestanden habe, weil sie von allen Kanzleien in Deutschland mit rund 100 Berufsanfängern jährlich traditionell die meisten Neueinstellungen vornehme und zudem darunter leide, dass sich derzeit Bewerber kaum für M&A bzw. Bank- und Finanzrecht interessieren – zwei zentrale Geschäftsbereiche von Freshfields. Mit diesem Problem sehen sich jedoch auch andere Marktteilnehmer konfrontiert. (MK)