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31.01.2006 | Autor/in: Markus Lembeck
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Neue multimediale Didaktik: Jura lernen mit TakeLaw

Mit methodischer und technischer Innovation schicken sich zwei norddeutsche Juristen an, das Darstellen und Lernen juristischer Inhalte grundlegend zu verändern: Unter dem Namen TakeLaw haben Thomas Rönnau und Tony Möller ein vielfältig einsetzbares juristisches Lernsystem entwickelt, das über das Internet an jedem Computer zur Verfügung stehen kann.

Das vielleicht interessanteste Einsatzfeld ist das Klausurentraining. TakeLaw weicht dabei von dem üblichen Verfahren ab und fordert vom Teilnehmer keine ausformulierten Lösungen für einen Übungsfall. Im Gegenteil: Anhand der Fallstruktur, die in ihrer grafischen Darstellung dem Ordnerbaum im Windows Explorer ähnelt, soll der Studierende seinen Lösungsweg skizzieren. „Zwar bilden wir Gesetze in ihrer logischen Struktur vollständig binär ab, aber in Fällen, in denen es Argumente zu bewerten gilt, können über einen Schieberegler variable Zuordnungen erfolgen“, erläutert Professor Dr. Tony Möller im TakeLaw-Entwicklungsbüro in Wismar.

Direkt im Anschluss an diese Online-Klausur gibt TakeLaw die korrigierte Version zurück – ohne Zeitverzug, da sowohl die Modell-Lösung als auch die Klausur in strukturierter Form vorliegen. Doch der Vorteil liegt nicht nur in der Geschwindigkeit: TakeLaw bietet unmittelbar die Erläuterung der Fehler an, die der Teilnehmer gemacht hat.

Hierbei kommt, wie auch in den juristischen Lektionen, das zweite Element der TakeLaw-Methode zum Einsatz, das „TeachAudio“ heißt: Der Dozent spricht zu dem Studierenden und erläutert die Knackpunkte eines Übungsfalles. Die dafür notwendigen Tonaufnahmen haben die Dozenten – durch die Bank renommierte Wissenschaftler von neun verschiedenen deutschen Hochschulen – im Wismarer Technologiezentrum absolviert.

Das Projekt haben Professor Möller von der Hochschule Wismar und Professor Dr. Thomas Rönnau von der Bucerius Law School in Hamburg gemeinsam entwickelt. Im April sollen die Übungsfälle zur Bearbeitung durch Studierende komplett sein. Dann können bundesweit Studierende – gegen Zahlung einer Gebühr, die nach Umfang der Klausur gestaffelt ist – ihr Fachwissen überprüfen. Dieses Fachwissen können sie selbstverständlich auch bei TakeLaw erwerben und sich so bereits mit der strukturierten Darstellung des Systems vertraut machen. Alle Gesetze sind durch Strukturbäume in Aufbau und Inhalt erfasst und audiovisuell aufbereitet. Benutzer, die TakeLaw in der Examensvorbereitung benutzen, erhalten eine individuelle Darstellung ihres Wissensstands auf einer so genannten „juristischen Landkarte“. Je besser der Lernfortschritt, desto mehr grüne Markierungen finden sich dort.

Bereits seit einigen Monaten ist der Editor von TakeLaw online und kann von registrierten Benutzern kostenlos verwendet werden, auf Wunsch auch einsehbar für andere Benutzer. „Wir möchten auf diesem Weg eine TakeLaw-Community schaffen und unsere grafische Sprache als Standard etablieren“, erklärt Möller. (Markus Lembeck)

http://www.takelaw.de