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31.01.2006 | Autor/in: Markus Lembeck
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Mannheimer Uni nicht pleite! Forschungen zu Insolvenz und Sanierung

Die Universität Mannheim hat Ende Januar ein Zentrum für Insolvenz und Sanierung (ZIS) gegründet.Im Rektorat der Universität unterschrieben der Mannheimer Rektor Professor Dr. Hans-Wolfgang Arndt, Professor Dr. Georg Bitter und Rechtsanwalt Peter Depré vom Arbeitskreises Sanierung und Insolvenz Rhein-Neckar-Pfalz e. V., den Gründungsvertrag des Zentrums. Humorvoll schnitt Rektor Professor Dr. Wolfgang Arndt das Thema Elite an, auf das er zur Zeit nicht besonders gerne angesprochen werde – aber die Gründung des ZIS bringe die Elite des Insolvenzrechts zusammen. Das lässt die Universität vielleicht für einen Moment verschmerzen, dass sie in der ersten Auswahlrunde der DFG für so genannte „Elite-Universitäten“ nicht zum Zuge gekommen ist.
Hochschuljuristen und Praktiker des Insolvenzrechts sollen am ZIS die richtigen Bedingungen für einen intensiven Austausch vorfinden; zugleich ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Wirtschaftswissenschaftlern der Universität erklärtes Ziel der Beteiligten. Im Beirat des neuen Instituts sind namhafte Experten vertreten – so der Vorsitzende des für Insolvenzrecht zuständigen IX. BGB-Senats, Dr. Gero Fischer, und sein Stellvertreter Dr. Hans Gerhard Ganter.
Organisatorisch ist das ZIS dem vor kurzer Zeit neu geschaffenen Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Bank-, Börsen- und Kapitalmarktrecht von Prof. Bitter angegliedert. Bitter war zahlreiche Jahre Assistent am Lehrstuhl von Professor Dr. Karsten Schmidt in Bonn.
Zu den ersten Aufgaben des neuen Zentrums gehört die Veranstaltung des 2. Mannheimer Insolvenzrechtstags im Juli 2006. Dort werden Professoren, Richter, Insolvenzverwalter und weitere Experten aus Kanzleien und Unternehmen die Gelegenheit haben, über aktuelle Probleme des Insolvenzrechts zu debattieren. Mehrfach im Jahr plant Bitter die Durchführung von Abendsymposien, bei denen ebenfalls Wissenschaftler und Praktiker zusammen kommen. Als erste gezielt auf Insolvenzthemen konzentrierte Forschungseinrichtung in Deutschland wolle man Vorreiter sein bei der wissenschaftlichen Aufarbeitung, zum Beispiel durch praxisnahe Promotionsprojekte. Außerdem will Bitter das Know-how des ZIS in der Gesetzgebung einbringen und laufenden Input zu insolvenzrechtlichen Fragen geben.
Depré betonte, das neue Zentrum solle auf hohem Niveau die Themen Insolvenz und Sanierung behandeln und auch internationale Fragestellungen einschließen, etwa solche des grenzüberschreitenden Insolvenzrechts.
BGH-Richter Fischer sagte am Rande der Gründungsveranstaltung, er wolle beim ZIS sein Wissen aus aktuellen Verfahren einbringen, die sein Senat gerade berate oder entschieden habe. Dazu zählten beispielsweise Fragen der Haftung von Insolvenzverwaltern oder das Anfechtungsrecht in der Insolvenz. Umgekehrt ermögliche ihm der Kontakt mit dem ZIS, sein Ohr noch näher an der Praxis zu haben und so wertvolle Informationen über die praktische Umsetzbarkeit von richterlichen Entscheidungen zu bekommen.
http://www.bankrecht.uni-mannheim.de/