News
31.05.2005 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in dieser Nachricht:

LL.M.-Abschluss mit Cap and Gown

Es ist vollbracht! Seit Sonntag bin ich einer der Alumni der Northwestern University School of Law. Die feierliche „Convocation“-Zeremonie findet im Chicago Theatre statt, ein wunderschöner Ort für eine derartige Feier. Bereits von weitem kann ich den Schriftzug am Eingang des Theaters erkennen: „Congratulations Northwestern Law Class of 2005“. In den Stolz auf die eigene Leistung mischt sich Wehmut über das Ende des LL.M.-Studiums. Vor dem Theater hat sich eine große Menschenmenge von Angehörigen versammelt, die auf den Einlass ins Theater warten. Daneben unter einem Zelt tummeln sich 250 amerikanische Absolventen des JD-Programms (Juris Doctor) und mehr als 100 internationale LL.M.-Absolventen in Cap and Gown. Jeder umarmt und beglückwünscht jeden und überall werden Fotos gemacht, um diesen einmaligen Moment festzuhalten.

Dann ist der Zeitpunkt gekommen, in dem wir alle in zwei Reihen das Chicago Theatre betreten. Der gefüllte Saal und die feierliche Musik bewegen mich. Auf der Bühne sitzen die Professoren in feierlichen Umhängen, an ihrer Spitze der Dean und U.S.-Senator Dick Durbin aus Washington als Gastredner. Wir Studenten nehmen in den ersten Reihen Platz, unterteilt nach jeweiligem Studienprogramm (LL.M., LL.M. Tax, JD, JD/MBA etc.). Ich bin beeindruckt von der Kulisse, dem wunderschön verzierten Saal, der feierlichen Atmosphäre und der Anzahl der Gäste.

Nach der Eröffnungsrede des Dean folgen Reden eines Ehemaligen sowie unserer LL.M.-Sprecherin und dem Sprecher der JDs. Eines haben alle gemeinsam: Den Rückblick auf die tolle Zeit in der Law School, auf die erreichten Leistungen und den Blick in die Zukunft an dieser Nahtstelle zwischen Studienabschluss, Anwaltszulassung (Bar Exam) und dem Einstieg in die Berufswelt.

Hiernach spricht U.S.-Senator Dick Durbin, der insbesondere das Berufsbild des Anwalts als „problem solver“ hervorhebt und alle Absolventen auffordert, einen Dienst an der Gemeinschaft durch „public service“ oder „pro bono“ work zu leisten.

Dann endlich ist es soweit: Wir LL.M.s sind die Ersten auf der Buehne. Unter dem Applaus der Gäste und der Mitstudenten haben wir alle unseren Moment des Ruhmes: auch ich gehe auf die Bühne und lasse mir den „hood“, einen Umhang in den Farben der Northwestern University, umhängen. Während dies geschieht, verliest ein Professor meinen Namen, was im Vergleich zu manch asiatischem Kommilitonen noch eine leichtere Aufgabe ist. Danach folgen die Glückwünsche durch den Senator, den Dean und andere Repräsentanten der Uni. Insgesamt ein Augenblick der wie „im Film“ verläuft und viel zu schnell vergeht. Ehe ich mich versehe, sitze ich bereits wieder unter meinen LL.M. Kollegen und wir applaudieren den uns auf die Bühne folgenden JDs. Der feierlichen Zeremonie folgt ein Buffet-Empfang im Atrium der Law School. Dort enden die offiziellen Feierlichkeiten in ausgelassener Stimmung in einem bunten Durcheinander von Studenten und Angehörigen.

Doch dieser einmalige Tag darf natürlich noch nicht zuende sein… The Party must go on! Daher trifft sich alles in einer Bar im 33. Stock des „W“ Hotels. Von dort geht es nach ein paar Drinks weiter zur privaten Abschlussparty im Apartment einer Kommilitonin. Dort endet der Abend feucht-fröhlich in den Armen derjenigen, die einem im Laufe des Jahres ans Herz gewachsen sind. Manche Träne wird vergossen und ein emotionaler „Toast“ folgt dem nächsten. Denn für einige von uns heißt es bereits in den darauffolgenden Tagen, Abschied zu nehmen. Da ich, sowie viele andere Kommilitonen, noch bis August in Chicago bin, um den Vorbereitungskurs für das New York Bar Exam zu besuchen, tröstet mich, dass ich zumindest noch für zwei Monate mit den meisten meiner Freunde hier bleiben werde.

Von den Amerikanern aufgrund der Durchfallrate und des hohen Arbeitsaufwands mit Ehrfurcht bedacht, erinnert mich das Bar Exam an die Vorbereitung auf das deutsche Staatsexamen. Ich bin gespannt auf diese Zeit, blicke alldem aber, zumindest jetzt noch, relativ gelassen entgegen. Ich denke, dass die Vorbereitung auf das Erste Staatsexamen und die dabei erforderliche Disziplin eine gute Schule zum Bestehen dieser Prüfung ist. Dennoch bin ich mir der großen Herausforderung, das amerikanische Recht innerhalb von zwei Monaten so gut zu beherrschen, um die Anwaltszulassung zu bestehen, bewusst. Am Donnerstag beginnt mein BarBri-Kurs, eine Art Repetitorium zur Vorbereitung auf die Prüfung. Ab dann heißt es jeden Tag vier Stunden Unterricht (per Video!) und darauf folgendes eigenes Lernen. Mehr zu diesen Erfahrungen und ob es wirklich mit dem Lerneinsatz für das deutsche Examen zu vergleichen ist, in meinem nächsten Beitrag in einem Monat.