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26.04.2005 | Autor/in: Markus Lembeck
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Der Countdown läuft

Was mir ein LL.M.-Absolvent des vorigen Jahrgangs vor wenigen Monaten prophezeit hat, bewahrheitet sich: Das zweite Semester ist noch schneller vergangen als das erste. Nur noch och vier Wochen bis zur Graduation Ceremony!Cap und Gown für die Convocation Ceremony hängen schon in meinem Kleiderschrank und ich bin gespannt auf den Moment, mein cap nach Verleihung der Diplome in die Luft zu schleudern – etwas, was ich bisher nur aus amerikanischen Filmen kenne. Dennoch mischt sich Wehmut in diese Gedanken. Wir LL.M.s sind wahrscheinlich die einzigen „Graduates“ der Law School, die dem Abschluss zumindest mit gemischten Gefühlen entgegenblicken. Während die amerikanischen JDs das Ende ihres dreijährigen Jurastudiums herbeisehnen – vielleicht so wie unsereins den Abschluss des Staatsexamens – kann ich mir nicht vorstellen, dass dieses einmalige Jahr bald zuende ist.

Meine letzte Vorlesung liegt bereits hinter mir und morgen beginnt die „reading period“. Eine Woche, in der sich jeder in seine Bücher vertieft und die Bibliothek nahezu 24 Stunden geöffnet ist. Ich nutze die Zeit, um mich den „Securities Regulations“ (Wertpapierrecht) zu widmen, denn das Examen ist berühmt berüchtigt und gilt als besonders schwer. Der „reading period“ folgt die zweiwöchige Prüfungszeit, in der ich – wie bereits im ersten Semester – frei entscheiden kann, wann ich das Examen schreiben möchte. Zum Glück habe ich nur dieses eine Examen, denn mein Kurs in „International Business Transactions“ endete bereits mit einer Hausarbeit, in der ich zwei Project-Finance-Investitionen – das Tschad-Kamerun Pipeline-Projekt sowie das Fraport-Investment in ein Flughafenterminal von Manila – analysierte. Eine sehr interessante und praxisnahe Aufgabe. Mein Mediations-Praktikum schließt ebenfalls mit einer schriftlichen Arbeit ab – einer Art Analyse meiner zahlreichen in diesem Semester durchgeführten Mediationen und meiner Lernerfahrungen, zusammengefasst in einem Journal. Zudem endete mein Kurs in „Corporations“ der Kellogg School of Management bereits vor dem Spring Break mit einer Hausarbeit, so dass ich mich nun in der verbleibenden Zeit auf „Securities“ konzentrieren kann.

Neben diesen Prüfungsvorbereitungen sind die Planungen für die Zeit nach dem LL.M. im vollen Gange. Ich habe mich entschieden, dass New York Bar Exam im Juli zu absolvieren. Für mich ist es der logisch richtige Schritt, nach dem Studium hier auch die Anwaltszulassung anzustreben. Auch wenn es mir in Deutschland keinen entscheidenden Vorteil verschaffen wird, die ohnehin hohen Kosten dieses Studienjahres noch weiter in die Höhe treiben wird und der Gedanke, im warmen Sommer von Chicago in der Bibliothek sitzen zu müssen, nicht gerade verlockend ist, so möchte ich diese einmalige Gelegenheit doch wahrnehmen. Denn ich kann mir gut vorstellen in naher Zukunft, zumindest für eine gewisse Zeit, in den USA zu arbeiten. Zudem freue ich mich, nach dem LL.M.-Abschluss noch zwei Monate in Chicago zu bleiben und mit den meisten meiner Kommilitonen diese Stressphase gemeinsam zu erleben.

Doch auch mit dem Gedanken an eine Rückkehr nach Deutschland muss ich mich allmählich anfreunden. Einerseits freue ich mich auf ein Wiedersehen mit Familie und Freunden. Zudem möchte ich mein Referendariat möglichst bald beginnen, um meine deutsche Ausbildung zu beenden. Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, meine Freunde aus aller Welt auf unbestimmte Zeit nicht wieder zu sehen und diesen aufregenden Lebensabschnitt zu beenden. Damit die entstandenen Freundschaften und Kontakte möglichst ein Leben lang halten, haben sich ein paar von uns LLM-Studenten dazu entschieden, die Alumni Relations der Northwestern zu fördern. Ziel ist es, in möglichst vielen Ländern Northwestern Law Alumni Societies zu bilden, um so den Kontakt aufrecht zu erhalten. Ich habe mich entschlossen, mit einem weiteren ehemaligen Northwestern LL.M. eine German Alumni Society zu gründen, die als Anlaufstelle für alle deutschen Northwestern-Alumni dienen soll.

Doch bevor es soweit ist und auch ich zu den Ehemaligen gehöre, erwarten mich noch spannende Wochen mit Examen, einer aufregenden Graduation Week mit Law School Dinner Dance im Drake Hotel, der Convocation Ceremony im Chicago Theatre und jeder Menge Abschiedsparties. Hierzu mehr in vier Wochen!