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29.03.2005 | Autor/in: Markus Lembeck
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Zweites LL.M.-Semester: Warten auf den Frühling

Job Fair in New York, „Mid-Term“-Prüfungen in Chicago – die ersten Wochen in meinem zweiten Semester an der Northwestern sind so ereignisreich, dass es nicht verwundert, dass die Zeit noch schneller vergeht als in den vorigen Monaten.Highlight des Jahresbeginns ist die internationale Job Fair in New York, an der LLM-Studenten aus allen Teilen der USA teilnehmen. Die Interviews mit Arbeitgebern aus aller Welt finden an einem Tag statt. Als deutscher LLM-Student spreche ich überwiegend mit Vertretern deutscher Büros amerikanischer oder deutscher Kanzleien.

Es ist anstrengend, interessant und aufregend, von einem Interview zum nächsten zu eilen, teilweise nur mit wenigen Minuten Pause zwischen den Gesprächen. Ich freue mich, dass mein LLM mich nicht nur persönlich um viele Erfahrungen bereichert hat, sondern dass es offenbar auch die richtige Entscheidung für meine berufliche Laufbahn gewesen ist. Auch wenn ich das zweite Examen noch nicht in der Tasche habe und somit noch nicht direkt in den Beruf einsteigen kann, ermöglicht mir die Job Fair, Kontakte zu einer Vielzahl von Kanzleien für das Referendariat herzustellen. Nach einem anstrengenden Tag in den Gebäuden der New York University gilt es, das Nachtleben New Yorks zu erkunden. Ein Riesenspaß, mit LLMs aus aller Welt zu feiern!

Zurück in Chicago muss ich mich meinen Kursen widmen. Die Zeit rennt und Worte wie „Mid-Term“-Prüfung erhöhen den Druck, sich den Büchern zu widmen. In meinem zweiten Semester belege ich Corporations, International Business Transactions, Securities Regulations und ein Mediation Practicum, d.h. ein praktischer Kurs, in dem ich am „Circuit Court of Illinois“ wöchentlich als Mediator tätig bin. Insgesamt ein sehr abwechslungsreiches Programm, in dem ich über amerikanisches Gesellschaftsrecht, Finanzierung internationaler Projekte, dem „Sarbanes-Oxley-Act“ bis zu zivilen Streitigkeiten vor Gericht viel Praxisrelevantes lerne.

Daneben kommt der Spaß natürlich auch in diesem Semester nicht zu kurz. Das „Global Village“ – ein Abend, an dem wir LLMs unseren amerikanischen Mitstudenten Speis und Trank aus unseren Heimatländern präsentieren – wird eine feucht-fröhliche Party. Insbesondere die asiatischen LLMs haben keine Kosten und Mühen gescheut und sorgen mit ihren Spezialitäten für Begeisterung.

Neben diesen Uniaktivitäten bestimmen das Thema „job search“ und die Frage „bar exam – ja oder nein?“ unsere Diskussionen. Der LL.M. ermöglicht uns nämlich, in den Bundesstaaten New York und Kalifornien die Prüfung zur amerikanischen Anwaltszulassung, das sog. bar exam, zu absolvieren. Fast jeder ist auf der Suche – zumindest nach einer Praktikumstelle für einige Monate, um neben der Theorie auch die amerikanische Anwaltspraxis kennen zu lernen. Doch nur wenige sind hierbei erfolgreich. Zumeist stehen der mangelnde Bedarf an beispielsweise deutschen LLMs in amerikanischen Kanzleien und die allgemeine wirtschaftliche Lage einer Einstellung entgegen.

Insgesamt ist die Stimmung unter uns LLMs nicht mehr so ausgelassen und unbeschwert wie im ersten Semester. In die Gedanken darüber, wo es jeden von uns nach der „Graduation“ im Mai hinverschlägt, mischen sich erste Anzeichen von Wehmut, dass dieses fantastische Jahr sich dem Ende neigt. Freundschaften und Beziehungen, die in dieser Zeit entstanden sind, blicken in eine ungewisse Zukunft. Hinzu kommt, dass der Winter kein Ende zu nehmen scheint. Es ist Mitte März und ich sitze im Starbucks „on Rush Street“ und beobachte die Schneeflocken vom Himmel rieseln. Jeder sehnt sich langsam nach ein paar wärmeren Tagen, aber diese scheinen noch in weiter Ferne.

Doch zum Glück ist seit Freitag „spring break“: Zwei Wochen keine Uni, und viele nutzen die Zeit, um entweder nach Hause oder in die Sonne zu fliegen. Ich selbst verbringe zehn Tage mit Freunden in Costa Rica und freue mich schon auf meine Erlebnisse während dieser Zeit, die unter US-Studenten schon fast legendär ist. Eine letzte Ruhepause, bevor der Endspurt zu den Abschlussprüfungen im April beginnt. Vielleicht hat sich bis dahin ja auch der Frühling in Chicago eingestellt …

Eine Antwort hierzu und zu meinen letzten Wochen als Student an der Northwestern mehr in meinem nächsten Bericht in vier Wochen!