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26.08.2003 | Autor/in: Markus Lembeck
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Transnationaler Ansatz: Martin-Luther-Universität gründet Forschungsstelle

Gemäß einem Beschluss des Akademischen Senats der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) vom Mai 2003 wurde am Institut für Wirtschaftsrecht der Juristischen Fakultät die Forschungsstelle für Transnationales Wirtschaftsrecht (Transnational Economic Law Research Center – TELC) errichtet.Leiter der Forschungsstelle ist Prof. Dr. Christian Tietje, LL.M., Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Europarecht und Internationales Wirtschaftsrecht sowie geschäftsführender Direktor des Instituts für Wirtschaftsrecht an der Juristischen Fakultät der MLU.
TELC soll „wirtschaftsrechtliche Zusammenhänge in ihrer übergreifenden Struktur im Mehrebenenbereich von internationalem, europäischem und innerstaatlichem Recht“ erforschen. Zielsetzung der Forschungsstelle ist es, die Regelungsstrukturen des sich zunehmend als Netzwerk darstellenden transnationalen Wirtschaftssystems zu untersuchen. Entscheidende Rolle spielt hierbei die Untersuchung der verschiedenen Steuerungsakteure und Steuerungsinstrumentarien, die mit grenzüberschreitenden Wirtschaftstransaktionen in Verbindung stehen und auf sie Einfluss nehmen.
Die Forschungsstelle beschränkt sich dabei bewusst nicht auf die Untersuchung des autonomen, von der staatlichen Zivilrechtsordnung losgelösten Rechts des internationalen Handels als Rechtsmaterie, die vereinzelt auch als transnationales Recht aufgefasst wird (so genannte lex mercatoria). Vielmehr wird bewusst ein fachübergreifender Ansatz verfolgt, der sich an Gedanken anlehnt, die der US-amerikanische Rechtswissenschaftler Philip C. Jessup bereits in den 1950er Jahren erstmals in aller Deutlichkeit formuliert hat.
Auf das Wirtschaftsrecht übertragen ist der transnationale Ansatz daher so zu verstehen, dass die Gesamtheit der Rechtsregeln und des praktischen Rechtslebens erfasst wird, die sich auf das internationale Wirtschaftssystem insgesamt beziehen. Das betrifft u. a. Rechtsregeln und Rechtsentwicklungen in der Welthandelsorganisation WTO, der Weltbank, dem Weltwährungsfond IMF, der UNCTAD, UNIDROIT, UNCITRAL und der OECD sowie die private und gemischte Schiedsgerichtsbarkeit, das internationale Investitionsschutzrecht, das Recht des internationalen Warenkaufes, die internationale Bankenaufsicht und das internationale Medien- und Telekommunikationsrecht.
Um ihrem fachübergreifenden Ansatz gerecht zu werden, arbeitet die Forschungsstelle eng zusammen mit Prof. Dr. Gerhard Kraft, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät (Halle), Prof. Dr. Reinhard Rode, Institut für Politikwissenschaften (Halle), und Prof. Dr. Rolf Sethe, LL.M., Juristische Fakultät (Halle). (azur-online)