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26.11.2002 | Autor/in: Markus Lembeck
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Zahlen, die gut klingen?

Das Statistische Bundesamt hat für das Jahr 2000 1.106 Professorinnen und Professoren im Fach Rechtswissenschaften gezählt – darunter nur 90 Frauen. Eine schlechtere Frauenquote gibt es wohl nur im Fachgebiet „Bergbau/Hüttenwesen“.Gut klingt allerdings die folgende Berechnung. Wenn man die Zahl der im Jahr 2000 bestandenen Prüfungen in Rechtswissenschaften, 13.560, in Relation setzt zur Zahl der in diesem Fach hauptberuflich tätigen Professoren, Dozenten und Mitarbeiter, 3.463, erhält man eine Quote von 3,9.
Wenn man die Dozenten, Assistenten und wissenschaftlichen Mitarbeiter aus der Rechnung weglässt, sieht das Verhältnis von bestandenen Prüfungen und Professoren immer noch sehr gut aus: Auf jeden deutschen Jura-Professor kommen im Schnitt 12,3 erfolgreiche Prüflinge. Rein rechnerisch, aber immerhin. Fühlt sich da noch jemand schlecht betreut?
Offensichtlich ja. Die Universität Bremen will ein Reform der Berufungsverfahren erreichen und auch außerfachliche Kompetenzen erfassen. Der Kanzler Gerd-Rüdiger Kück: „Unsere Professoren sind nicht nur als Forscher und Lehrende gefordert, sondern müssen mit einem hohen Maß an Eigenverantwortlichkeit in Personal- und Haushaltsfragen agieren“.
Mit der Expertise von Kienbaum Executive Consultants (Hannover) soll ein Verfahren erarbeitet werden, in dem die zukünftigen Hochschullehrer auch unter den Aspekten Sozialkompetenz und Managementqualitäten begutachtet werden. Denn nur erfolgreiche „Wissenschaftsmanager“ können Drittmittel für die Universität einwerben.
Auf diesem Gebiet liegen die Rechtswissenschaften übrigens weit unter dem Durchschnitt. Die höchsten Drittmitteleinnahmen mit 212.200 Euro je Professorenstelle erzielten im Bundesdurchschnitt im Jahr 2000 die Ingenieurwissenschaften an den Universitäten. Die Kennzahl für die Fächergruppe Humanmedizin lag bei 177.600 Euro, für Mathematik und Naturwissenschaften bei 116.200 Euro. Bei den Geisteswissenschaften wurden deutlich weniger Drittmittel eingenommen: Je Professorenstelle machten diese im Jahr 2000 an den Universitäten in den Sprach- und Kulturwissenschaften 30.700 Euro, in den Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften 38.600 Euro aus.
Noch einmal zurück zur schlechten Frauenquote: An der Berliner Humboldt-Universität ist die Professur für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien mit Susanne Baer besetzt worden. Ein „wissenschaftspolitisch wesentlicher Schritt“ nach Meinung der Universität und einer mit Praxisbezug: Im Rahmen der neuen Professur berät Susanne Baer die Bundesregierung und die Europäische Kommission in Fragen des Gender Mainstreaming, forscht aber auch zur Umsetzung von Recht gegen sexuelle Belästigung in die betriebliche Praxis.