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26.11.2002 | Autor/in: Markus Lembeck
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Associates im Blickpunkt der Medien

Während üblicherweise die wichtigen, erfolgreichen Partner einer Kanzlei im Blickpunkt der interessierten Öffentlichkeit stehen, waren es in den vergangenen Wochen auch einmal die angestellten Anwälte, die Associates, über die berichtet wurde.Ende Oktober 2002 gelangte in New York ein Memorandum von Clifford Chance-Associates an die Öffentlichkeit. Die Associates äußern darin erhebliche Kritik, vor allem an der hohen Arbeitsbelastung und der Arbeitsatmosphäre im Big-Apple-Büro. Das „Handelsblatt“ sprach gar von einer Palastrevolte, eine Einschätzung, die nach Kenntnis der Sachlage übertrieben erscheint.
Kritik üben die Junganwälte an den von der Kanzlei geforderten 2.420 Billable Hours, an der Verteilung von Mandaten an Associates aber auch am Beurteilungssystem. Als verbesserungswürdig erachten die Associates aber auch die Kommunikation zwischen Partnern und Associates: sie monieren deren Gleichgültigkeit gegenüber den Associates, ungenügende Betreuung in der täglichen Arbeit sowie die abschätzige Haltung einiger Partner gegenüber Pro Bono-Arbeit.
Anlass für das Memo war eine Umfrage des „New York Lawyer“ über die Zufriedenheit der Associates verschiedener US-Kanzleien mit ihren Arbeitgebern. Clifford Chance war in dieser auf dem letzten von 132 Plätzen gelandet. Das CC-Management hatte daraufhin sechs Associates aufgefordert, intern eine Umfrage zu starten und so die Gründe für das schlechte Abschneiden aufzudecken. In einem Associates-Meeting sowie einer schriftlichen Umfrage hatten sich dann die massiven Kritikpunkte heraus kristallisiert.
Das Thema Associates stand auch auf der anderen Seite des Atlantiks auf der Tagesordnung. Im Londoner Anwaltsmarkt hieß es Anfang November, dass Linklaters-Associates um ihre Stellen bangten. Gleich zwei Branchenzeitungen hatten über den Abbau von Anwaltszahlen bei Linklaters berichtet. Es gebe unter einigen Associates große Unsicherheit, war im Londoner Markt zu hören.
„The Lawyer“ hatte berichtet, dass einigen jüngeren Anwälten das Angebot unterbreitet worden sei, gegen Zahlung einer Abfindung die Kanzlei unmittelbar zu verlassen. „Legal Week“ wusste außerdem von einer internen Leistungsanalyse, die dazu dienen solle, die jährliche Quote eines „staff turnover“ (Personaldurchlauf) auf 21 Prozent zu bringen.
Von Linklaters-Seite aus London hieß es dazu unter Hinweis auf die Notwendigkeit einer effizienten Mitarbeiterstruktur: „Wie in jedem Jahr streben wir einen Personalumschlag von 21 Prozent an. In wirtschaftlich guten Zeiten muss man mit einer hohen Fluktuation zurechtkommen, in schwachen Zeiten hingegen gibt es eine geringere natürliche Schwankung.“
Im Vergleich zum Londoner Markt gilt die deutsche Einstellungspolitik für den juristischen Nachwuchs als flexibler und von Überhängen weniger betroffen. Unüblich sind zum Beispiel Einstellungen zu bestimmten Terminen im Jahr. Auch die teils über zwölf Monate im Voraus erfolgende vertragliche Verpflichtung gegenüber neuen Trainees durch Londoner Kanzleien ist in Deutschland weniger ausgeprägt.