© JUVE GmbH Köln
02.03.2017

Künstliche Intelligenz an der Uni: Hamburg startet Legal Tech-Seminar

Die private Bucerius Law School in Hamburg bietet seit Ende Februar in Zusammenarbeit mit dem Institut für Informatik der Universität Hamburg und IBM ein Projekt an, bei dem Studierende das selbstlernende Watson-Programm weiterentwickeln können. Der mehrwöchige Kurs soll den interdisziplinären Austausch zwischen Juristen und Informatikern fördern.

In dem Projekt sollen die Teams aus Jura- und Informatikstudierenden gemeinsam Gerichtsentscheidungen mithilfe des selbstlernenden IBM-Programms Watson analysieren. Das soll Aufschluss über Verfahrensdauern, Entscheidungstendenzen und Zusammenhänge von Entscheidungen geben. Die Studenten sollen dabei lernen, wie man mit der jeweils anderen Disziplin zusammenarbeitet.

Die Jurastudenten verwenden Watson, um größere Mengen juristischer Texte wie Gerichturteile oder Verträge aufzubereiten, während die Informatikstudenten im Verlauf der Praxisphase mit den Texten arbeiten sollen, um eine Anwendung zu programmieren. Geleitet wird der interdisziplinäre Kurs von dem informatiker Prof. Dr. Chris Biemann (Universität Hamburg) und von Dirk Hartung, Director für Legal Technology an der Bucerius Law School.

Zunächst startet der Kurs als Pilotprojekt, er könnte jedoch in Zukunft auch ein Baustein in der Ausbildung von Juristen und Informatikern werden. So soll die Zusammenarbeit zwischen Juristen und Informatikern, die sich durch Legal Tech immer öfter ergibt, verbessern werden. Zudem wäre denkbar, dass sich Teilnehmer der Kurse finden, die ihre Kenntnisse nutzen, und in einem eigenen Unternehmen eine marktreife Anwendung programmieren. Als Vorbild kann die kanadische Universität Toronto dienen: Dort entwickelten Studenten 2014 den Roboter-Anwalt „Ross“, der auf der Watson-Technologie basiert.

IBM ist mit der selbstlernenden Software Watson im juristischen Bereich bislang vor allem in Nordamerika vertreten: „Ross“kommt unter anderem bei der US-Kanzlei Baker Hostetler im Insolvenzrecht zum Einsatz. Ein deutschsprachiges Pendant zu „Ross“ gibt es bislang nicht. (Eva Lienemann)