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14.03.2017

Referendargehälter: Kanzleien und Rechtsabteilungen bieten immer mehr Geld

Referendare können in Wirtschaftskanzleien mit einem immer höherem Zuverdienst rechnen. Derzeit zahlen über 70 Kanzleien mindestens 500 Euro Monatsgehalt pro Wochenarbeitstag. Bei einer Viertagewoche entspricht das 2.000 Euro im Monat. Auch in Rechtsabteilungen wird immer mehr geboten, dort liegt die Obergrenze inzwischen bei 1.500 Euro pro Monat.

Verglichen mit dem Wettrennen um das höchste Associate-Einstiegsgehalt, das sich in den vergangenen Monaten vor allem Kanzleien lieferten, wirken die jüngsten Steigerungen bei der Referendarsvergütung zwar eher bescheiden – absolut betrachtet. Prozentual haben eine ganze Reihe von Kanzleien ihre Gebote aber noch massiver als die Gehälter der fest angestellten Anwälte aufgestockt. Mindestens 25 Prozent mehr bieten etwa Oppenländer (nun 800 Euro monatlich pro Wochenarbeitstag), Pinsent Masons (600 Euro), Thümmel Schütze & Partner (400 Euro) und WilmerHale (750 Euro).

20 Prozent und mehr legen BMH Bräutigam & Partner (650 Euro) und Esche Schümann Commichau (625 Euro) drauf. Über 10 Prozent Steigerung melden Arnold & Porter Kaye Scholer (600 Euro), Bird & Bird (650 Euro), Hengeler Mueller (800 Euro) und Wach + Meckes (700 Euro). Spitzenreiter im Markt sind aber nach wie vor eine Reihe stark fokussierter Einheiten, an erster Stelle die US-Kanzleien Milbank Tweed Hadley & McCloy und Willkie Farr & Gallagher sowie die Umsatzsteuerboutique Küffner Maunz Langer Zugmaier. Alle drei bezahlen Referendaren 1.000 Euro (Referendargehälter 2017 in Kanzleien). Am anderen Ende des Spektrums finden sich zahlreiche Kanzleien, die ihre Referendare nur mit einem Zehntel dieser Summe vergüten.

Zuverdienst in einigen Bundesländern eingeschränkt

In den meisten Bundesländern ist der sinnvolle Zuverdienst allerdings von staatlicher Seite begrenzt. Von ihrem Dienstherren, dem jeweiligen Bundesland, erhalten die Referendare eine monatliche Unterhaltsbeihilfe von rund 1.000 Euro – je nach Land. Fällt der Nebenverdienst zu hoch aus, wird gegebenenfalls die Beihilfe gekürzt. Seit einer Entscheidung des Bundessozialgerichts 2015, nach der die Beschäftigungsbehörden für eventuell vom Ausbilder nicht abgeführte Sozialbeiträge haften, haben mehrere Länder sogar jeglichen Zuverdienst im Referendariat verboten, darunter Hessen und Sachsen.

Dort haben sich Ausbilder und Referendare dem Vernehmen nach auf eine Ausweichregelung verständigt. In der Praxis wird die Anwesenheit aufgeteilt: Neben der offiziell nicht zusätzlich vergüteten Anwaltsstation ist der Referendar einen weiteren Tag in der Kanzlei und wird für diesen Tag – auf der Grundlage eines separaten Arbeitsvertrags – sehr gut bezahlt.

Aus dem selben Grund werden in Nordrhein-Westfalen Referendare nur dann einer Kanzlei oder Rechtsabteilung zugewiesen, wenn sich diese dazu bereit erklärt, etwaige Zuverdienste an das Landesamt für Besoldung und Versorgung (LBV) abzuführen. Dieses reduziert die staatliche Unterhaltsbeihilfe um einen Betrag, der 25 Prozent des Zuverdienstes entspricht. Dafür muss der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge mehr abführen. Arbeitnehmeranteil und Steuern werden anschließend abgezogen, die verbleibende Summe erhält der Referendar vom LBV. Als – soweit bekannt – erste Kanzlei in Nordrhein-Westfalen hat die Düsseldorfer Boutique Glade Michel Wirtz aus diesem Grund das Referendargehalt um 10 Prozent auf 770 Euro pro Wochenarbeitstag erhöht. Die Compliance-Kanzlei Hausfeld, die im Sommer ein Düsseldorfer Büro eröffnen wird, kündigte ebenfalls an, Referendaren in NRW einen Zuschlag zu bezahlen.

Auch immer mehr Rechtsabteilungen bezahlen mehr

Neben den meisten Kanzleien gehen auch immer mehr Rechtsabteilungen dazu über, Referendare mit einem ordentlichen Monatslohn zu locken (Referendargehälter 2017 in Unternehmen und Beratungsgesellschaften). Dieser erreicht zwar nur selten ähnliche Größenordnung wie in Kanzleien, liegt in einigen größeren Rechtsabteilungen – etwa bei Audi, BMW und Siemens – aber immerhin bei 1.000 Euro und mehr im Monat. Die Deutsche Bank, Ebay, UniCredit Bank und die Beratungsgesellschaften EY und PricewaterhouseCoopers bieten sogar 1.500 Euro im Monat. (Norbert Parzinger)

Wie viel Referendare und Associates in Wirtschaftskanzleien, Rechtsabteilungen, Beratungsgesellschaften und Behörden in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld.

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