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28.02.2017

Wunscharbeitgeber: Immer weniger Absolventen wollen Syndikus werden

Fragt man Jurastudenten, Referendare und Doktoranden, wo sie ihren ersten Job antreten wollen, kommen Rechtsabteilungen immer schlechter weg. Auch 2016 setzte sich dieser Trend laut der azur-Bewerberumfrage fort. Von den 1.620 Teilnehmern wollen gerade noch gut 10 Prozent ihre Karriere als Inhousejuristen starten. 2010 war dieser Anteil glatt doppelt so hoch. Für eine Kanzlei würden sich inzwischen gut 70 Prozent der Umfrageteilnehmer entscheiden, vor sechs Jahren waren es nicht einmal 60 Prozent. Selbst der öffentliche Dienst findet mehr Anklang als die Unternehmen.

Die Prioritäten der Bewerber, die heute zum Berufseinstieg in eine Rechtsabteilung gehen würden, entsprechen dabei weitgehend denen, die auch die Altersgenossen setzen, die sich für den öffentlichen Dienst entscheiden würden. Für 37 bzw. 40 Prozent von ihnen ist die Vereinbarkeit von Beruf, Freizeit und Familie entscheidend bei der Arbeitgeberwahl. Bei den Umfrageteilnehmern, die ihren ersten Job in einer Kanzlei antreten wollen, liegt dieser Anteil nur bei knapp über 20 Prozent. Betriebsklima, Renommee und Gehalt stehen hingegen bei den Absolventen, die lieber in eine Kanzlei gehen wollen, wesentlich häufiger im Fokus als bei denen, die Unternehmen präferieren.

Allerdings ist in den Augen der Berufseinsteiger die klassische Schwäche der Inhouseabteilungen bei der Schaffung überzeugender Karriereoptionen kein ernsthafter Nachteil mehr. Angesichts minimaler Partnerchancen in vielen Kanzleien relativiert sich das Defizit.

Unternehmensjurist? Eher nicht...

Das geringe Interesse der Berufsanfänger dürften die meisten Inhouseabteilungen zwar als ein Imagedefizit verstehen, aber sie können es verschmerzen. Zwar wachsen die Rechtsabteilungen nach wie vor, doch setzen sie immer stärker auf juristische Fachkräfte statt auf Volljuristen. Aktuell planen die wenigsten Unternehmen, ihre Inhousemannschaften deutlich auszubauen, wie die jüngste JUVE-Inhouse-Umfrage ergab. Hinzu kommt, dass frisch examinierte Nachwuchsjuristen für Inhouseposten nach wie vor nicht so interessant sind wie Juristen, die einige Jahre Berufserfahrung mitbringen.

Und bei dieser Gruppe sieht es für die Unternehmen noch ganz gut aus. In der der azur-Associateumfrage 2016 (3.138 Antworten) würden sich immerhin rund 40 Prozent der Teilnehmer aus Kanzleien mit wenigstens drei Jahren Berufserfahrung beim Arbeitgeberwechsel für eine Rechtsabteilung entscheiden. Allerdings würden knapp 48 Prozent lieber zu einer anderen Kanzlei gehen. Wer bereits im Unternehmen arbeitet, ist dafür umso überzeugter von seiner Entscheidung: Weit über 80 Prozent der Syndizi unter den Umfrageteilnehmern würden gegebenenfalls in eine andere Rechtsabteilung wechseln, keine zehn Prozent aber in eine Kanzlei. (Norbert Parzinger)