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03.07.2017

Associate-Stundenlohn: In Bankrecht und Compliance wird am besten verdient

Zwischen 30,81 und 45,60 Euro verdienen deutsche Associates je nach Fachbereich in der Stunde. Das zeigt die azur-Associate-Umfrage 2016, an der insgesamt über 3.100 junge Juristen teilnahmen. Im Marktdurchschnitt erhalten die Associates in Kanzleien demnach 40,73 Euro pro Stunde bei einem Wochenpensum von gut 54 Stunden.

Insgesamt gilt für die verschiedenen Praxisgruppen, was schon der Standortvergleich zeigt: Wo viel gearbeitet wird, fallen auch die Gehälter besonders hoch aus – oft so hoch, dass sich die Mehrarbeit finanziell lohnt. Nicht nur in Anwaltsmetropolen wie Düsseldorf, Frankfurt und München, sondern auch in Fachbereichen wie Banking und Corporate verdienen die Anwälte pro Stunde am meisten.

Compliance-Beratung besonders ergiebig

Am unteren Ende des Marktspektrums liegen sowohl bei den Arbeitszeiten als auch beim mittleren Stundenlohn Bereiche wie Medien-, Handels- und Vertragsrecht oder Nachfolgeberatung. Durchschnittlich unter 50 Wochenstunden am Schreibtisch schlagen sich hier in Stundenlöhnen nieder, die um ein Viertel niedriger liegen als an der Marktspitze.

Doch es gibt auch deutliche Ausreißer. Wer bei begrenztem Stundenpensum möglichst viel verdienen will, muss demnach in die Compliance-Beratung gehen. Die Umfrageteilnehmer, die in diesem Fachbereich tätig sind, arbeiteten mit knapp 51 Stunden deutlich weniger als der Durchschnitt aller Associates. Beim Stundenlohn jedoch liegen die Compliance-Berater gemeinsam mit den Bank- und Finanzrechtlern an der Spitze.

 

Durchschnittlicher Stundenlohn von Associates in Kanzleien 2017

 

Dass die Banking-Anwälte im Schnitt besser bezahlt werden, relativiert sich durch ihre höhere Arbeitslast: In den Bank- und Finanzrechtspraxen sind 55 Wochenstunden die Regel. Zwischen 55 und 56 Stunden liegt der Wochendurchschnitt laut azur-Umfrage in den Praxen für M&A, Private Equity und Venture Capital. Auch hier wiegt der hohe Verdienst den Zeiteinsatz nicht ganz auf: Beim Stundenlohn liegen diese Fachbereiche zwar weit vorn, aber nicht ganz an der Spitze.

Nachteil für Restrukturierung, Steuer- und Versicherungsrecht

Dafür schneiden die Kartellrechts- und IP-Praxen beim Stundenlohn überdurchschnittlich ab, obwohl die Wochenarbeitszeit dort mit rund 52 und 53 Stunden unter dem Marktdurchschnitt liegt. Restrukturierungs- und steuerrechtliche Beratung lohnt sich dagegen weniger: Hier fallen laut azur-Umfrage 53 bis 54 Wochenstunden an, beim Stundenlohn liegen diese Praxen aber nur im hinteren Mittelfeld.

Besonders schlecht ergeht es der azur-Umfrage zufolge den Versicherungsrechtlern. Zwar arbeiten auch sie mit gut 52 Wochenstunden im Mittel etwas weniger als die meisten anderen Associates. Dafür werden die Assekuranzanwälte aber so mäßig bezahlt, dass ihr Stundenlohn gerade zwei Drittel dessen beträgt, was die Spitzenverdiener mitnehmen.

Alternative Karrieremodelle bringen Top-Stundenlohn

Bei den vorliegenden Zahlen ist die Welle der – teils recht massiven – Gehaltserhöhungen seit Sommer 2016 wegen des frühen Umfragezeitpunkts allerdings noch nicht berücksichtigt. Was die Initiativen einiger Kanzleien angeht, die seit Kurzem alternative Karrieremodelle mit deutlich reduziertem Stundenpensum bei kräftig reduziertem Gehalt anbieten, liegen die Zahlen aber bereits offen auf dem Tisch: Wer etwa bei Linklaters 80.000 Euro für eine 40-Stunden-Woche bekommt, kassiert mit 43,10 Euro einen Spitzen-Stundenlohn.

Um den Stundenlohn zu ermitteln, stützte sich die azur-Redaktion auf zwei Angaben aus der Associate-Umfrage: die durchschnittliche Arbeitszeit in Wochenstunden, die auf das ganze Jahr hochgerechnet wurde, und das Bruttojahresfestgehalt. Bonuszahlungen und Nebenleistungen blieben unberücksichtigt. Angenommen wurden 28 voll genutzte Tage Jahresurlaub. (Norbert Parzinger)

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