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18.11.2016

Associategehälter: Auch White & Case und Allen & Overy ziehen nach

Mit White & Case und Allen & Overy erhöhen zwei weitere Großkanzleien das Festgehalt für Berufseinsteiger auf 120.000 Euro. Bei White & Case gilt die Änderung ab dem Jahreswechsel, bei Allen & Overy erst ab Beginn des neuen Geschäftsjahres im Mai 2017. In den vergangenen Monaten hatten mit Hengeler Mueller, Freshfields Bruckhaus Deringer, Gleiss Lutz und Linklaters schon vier weitere Top-Kanzleien diese Zahl aufgerufen.

Details zu den neuen Gehaltsstrukturen bei White & Case und Allen & Overy sind noch nicht bekannt. Bislang steigt das Festgehalt der Associates in beiden Kanzleien mit jedem Berufsjahr in festen Schritten. Bei White & Case kann nach bisherigem Stand ab dem zweiten Jahr ein Bonus hinzukommen, dessen Höhe sowohl von der individuellen Leistung der Anwälte als auch vom wirtschaftlichen Erfolg der Gesamtkanzlei abhängt. Allen & Overy schüttet bislang Boni ab dem Senior-Associate-Level, also frühestens im vierten Berufsjahr, aus. 

Große Unterschiede im Detail

Während 120.000 Euro zusehends zum neuen Standard-Einstiegsgehalt im deutschen Spitzensegment werden, sind die Gehaltsstrukturen um diese Zahl herum recht unterschiedlich gestaltet. Hengeler und Gleiss unterscheiden im ersten Berufsjahr zwischen Absolventen mit oder ohne Doktor- bzw. LL.M.-Titel und bezahlen je nach Qualifikation zwischen 110.000 und 120.000 Euro. In den Folgejahren steigt das Gehalt in festen Stufen, Boni gibt es dort nicht.

 

 

Freshfields und Linklaters dagegen bezahlen alllen Berufseinsteigern einheitlich 120.000 Euro. Auch beim Thema Boni haben sich beide Kanzleien einander  angenähert: Bei Freshfields war bisher schon im ersten Berufsjahr ein Bonus möglich. Seit Umstellung der Gehaltsstruktur im September werden Boni erst ab dem zweiten Berufsjahr bezahlt. Linklaters winkt bereits ab dem dritten statt wie bisher ab dem sechsten Jahr mit Bonuszahlungen. Diese Änderung allerdings tritt erst mit dem neuen Geschäftsjahr Anfang Mai in Kraft.

Wettbewerber immer stärker unter Druck

Mit den neuesten Gehaltserhöhungen steigt der Druck auf die übrigen Top-Kanzleien im deutschen Markt weiter. Unter den britischen Magic-Circle-Kanzleien mit umfangreicher deutscher Präsenz ist Clifford Chance die letzte, die noch nicht am Einstiegsgehalt geschraubt hat – anders als in London, wo Clifford ebenso wie Freshfields zuletzt das First-Year-Gehalt massiv anhob und dafür alle Boni im ersten Berufsjahr strich.

Latham & Watkins, die in Deutschland jährlich ähnlich viele Berufseinsteiger rekrutiert wie White & Case, hatte vor rund einem Jahr das Einstiegsgehalt von 100.000 auf 110.000 Euro erhöht. Hinzu kommt dort ein traditionell umfangreicher Bonus schon im ersten Berufsjahr. Betrachtet man nur das garantierte Einstiegsgehalt, liegt die Kanzlei aktuell aber nicht mehr in Reichweite der Marktspitze. Wie aus dem Umfeld der Kanzlei zu hören ist, werden die Gehälter darum derzeit intern diskutiert. Dem Vernehmen nach sind auch mehrere weitere Top-Kanzleien dabei, ihre Gehaltsstrukturen zu überdenken. (Norbert Parzinger)

Wie viel Associates aktuell in mehr als 300 Wirtschaftskanzleien in Deutschland verdienen können, lesen Sie unter www.azur-online.de/geld

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