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03.11.2016

JUVE Insider: Wie wir Preise vergeben

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Ein Beitrag aus azur 2/2016

JUVE Awards und azur Awards: Zweimal im Jahr prämiert JUVE Kanzleien und Rechtsabteilungen. Was steckt dahinter?

Von Markus Lembeck

Einmal jährlich im Februar, zeitlich ungefähr in der Mitte zwischen zwei Ausgaben dieses Karrieremagazins, erscheint azur100, unser dickes Kompendium mit Informationen und Bewertungen zu einhundert Kanzleien, Unternehmen und weiteren Institutionen, die Juristen einstellen. In jeder Ausgabe werden auch die Nominierten und Preisträger der azur Awards vorgestellt – in drei inhaltlichen Kategorien und als Platz 1 der azur-Liste (azur-online.de/awards).

Das Herausfiltern von besonders empfehlenswerten Arbeitgebern dient Jurastudenten und Bewerbern zur Orientierung: Wo geben sich Personalmanager besondere Mühe, um Praktikanten und Referendare gut zu betreuen? Welcher Arbeit­geber hat seine Ausbildungs-Aktivitäten deutlich gesteigert? Wer bekennt sich zur Vielfalt in seinen Teams und fördert die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit?

Eigene Recherche

Die Nominierungen und schließlich die Wahl der Sieger stehen am Ende eines redaktionellen Auswahlpro­zesses. Die JUVE-Redaktion, die auch die Nachwuchs- und Karriere­themen für azur betreut, verlangt und akzeptiert für diese Auslese übrigens keine Bewerbungen. Die Redakteure haben den Anspruch, aus dem Fundus der eigenen Recherche heraus geeignete Kandidaten zu finden. Parallel zur Produktion von azur100 setzen sich die Autoren zusammen und erstellen lange Listen mit potenziellen Nominierungen. Grundlage sind die azur-Umfragen unter Bewerbern und Associates sowie umfangreiche Fragebögen, die die Arbeitgeber ausfüllen. Dazu kommen viele Interviews und ­Hintergrundgespräche mit Kanzleimanagern beziehungsweise Rechtsabteilungsleitern, Personalverantwortlichen, Partnern und Associates.

Schließlich sichtet die Redaktion in einer Vollversammlung alle Informationen und debattiert Pro und Contra der einzelnen Vorschläge: Widersprechen sich die schönen Hochglanzbroschüren und die Associate-Meinungen? Welches Arbeitgeber-Engagement ist wirklich gut und ernstgemeint?

Am Ende des Tages gibt es in jeder Kategorie fünf Nominierte, die kurz darauf bekanntgegeben werden, und einen Sieger, der bis zur Preisübergabe natürlich streng geheim bleibt. Alle Entscheidungen werden in azur100 sowie online ausführlich begründet. So erfährt der Leser, dass Osborne Clarke bei der Ausweitung ihres Ausbildungsprogramms auf die Rückmeldungen der eigenen Anwälte eingegangen ist, und dass Oppenhoff & Partner zur Verbesserung ihrer Praktikantenausbildung sogar Mandanten einbindet. Die Argumente zogen – beide zählten in diesem Jahr zu den Siegern. Die Arbeit an den drei Kategorien der azur Awards ist relativ überschaubar. Deutlich mehr Aufwand erfordern die JUVE Awards (awards.juve.de).

 And the winner is …

Wenn sich Ende Oktober jeden Jahres die Alte Oper in Frankfurt mit der Elite der deutschen Wirtschaftsanwälte füllt, liegt das Gros der redaktionellen Arbeit schon einige Monate zurück. Der Abend der ­JUVE Awards ist ein Highlight für die Beraterszene – in insgesamt 18 Kategorien zeichnet die JUVE-Redaktion einen Sieger aus, nachdem die jeweils fünf Nominierten bereits sechs Wochen vorher verkündet wurden. Die Preise sind begehrt, die Logos für Sieger und Nominierte zieren so manche Website, Stellenanzeige oder Mandantenbroschüre. Die Gewinner in jeder Kategorie können außerdem eine gläserne Trophäe nach Hause tragen, die dann häufig im Empfangsbereich von Kanzleien ausgestellt wird.

Aus Sicht der Nominierten und Sieger ist ein Erfolg vorab kaum ­kalkulierbar – aber nicht, weil die Auszeichnung willkürlich vergeben wird. Die 25-köpfige JUVE Redaktion lässt sich für den Auswahl­prozess Zeit. Im Grunde genommen beginnt nach der Preisvergabe direkt die Suche nach den Kandidaten für das nächste Jahr. Das hat seinen Grund.

Rankings und Bewertungen

Ohne die redaktionelle Arbeit am JUVE Handbuch Wirtschaftskanzleien hätten die JUVE Awards keine vernünftige Grundlage. Das Jahrbuch hat den Anspruch, alle relevanten Teile des Rechtsberatungsmarkts vorzustellen (juve.de/handbuch). Dazu verschickt die Redaktion Fragebögen an die Kanzleien und, fast noch wichtiger, sie befragt Mandanten nach ihren Erfahrungen mit Anwälten. In vielen Interviews und Hintergrundgesprächen sammeln die Redakteure so viele Informationen wie möglich: harte Fakten genauso wie Meinungen und Gerüchte, die dann jeweils auf ihren Wahrheitsgehalt abgeklopft werden. Unterteilt nach Rechtsgebieten und Regionen sowie in einem eigenen Kapitel über die 50 führenden Kanzleien entstehen im Anschluss Rankings und ausführl­iche Beschreibungen.

Das heißt, die Rankingspitze erhält auch einen JUVE Award? Nicht automatisch, eher im Gegenteil: selten. Denn für die Preisvergabe lautet das Schlüsselwort Dynamik. Die Redakteure achten in den Nominierungsrunden auf die Fortschritte, die eine Kanzlei innerhalb eines Jahres gemacht hat. Neue Mandate, verbesserte Strategien und personelle Verstärkungen geben den Anlass, um bestimmte Sozietäten auf die Nominierungslisten zu setzen.

Möglicherweise sind sie von den Spitzenteams in der jeweiligen Kategorie noch ein ganzes Stück entfernt – aber wenn erkennbar ist, dass eine Kanzlei den Abstand zur Spitze deutlich verkürzt, dann ist die Nominierung aus JUVE-­Perspektive ziemlich plausibel. Wie bei den azur Awards auch treffen die Redakteure ihre Auswahl in einer Vollversammlung, die sich aufgrund der Vielzahl der Kategorien über mehrere Tage erstreckt.

Karriere bei den Siegern

Die JUVE Awards sind auf die Sicht von Mandanten und Wettbewerbern im Anwaltsmarkt zugeschnitten. Aus Sicht eines Bewerbers verheißen sie zunächst weniger Relevanz als die azur Awards. Aber das stimmt nicht ganz, denn indirekt signalisiert eine Nominierung oder gar der Gewinn in einer JUVE-Awards-Kategorie auch dem Nachwuchs eine gewisse Attraktivität.

Die von der Redaktion prämierte Leistung einer Kanzlei oder Rechtsabteilung, sich den Marktgegebenheiten anzupassen oder sich sogar neue Märkte klug zu erschließen, bedeutet in der Regel Chancen für eine Karriere. Mit anderen Worten: Es schadet nicht, beim Son­dieren des Arbeitgebermarktes auf das kleine JUVE-Awards-Logo zu achten. <<