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03.11.2016

Alles so schön bunt hier

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Google hat das Internet verändert. Immer dabei: die Rechtsabteilung. Sie kämpft in zahlreichen Prozessen bis in die obersten Instanzen. Eher im Verborgenen sind die Juristen aber auch bei der Entwicklung von neuen Produkten dabei. Ein Besuch in Hamburg.

Von Eva Flick

Google polarisiert. Für die einen ist der US-­Gigant ein Technologiekonzern, der unmögliche Dinge möglich macht, für die anderen ein Datenkrake, dessen Marktmacht schier unendlich scheint. Google wird geliebt oder gehasst. Weiß oder schwarz. Dr. Arnd Haller, der seit elf Jahren die Rechtsabteilung verantwortet, kennt sich mit diesem Phänomen aus. Erklären kann er es nicht. „Wir sind für viele Berufe der beliebteste Arbeitgeber“, stellt er fest. „Die Deutschen lieben Google als Produkt, fast jeder benutzt es.“ Gleichzeitig erlebt er immer wieder, mit welcher Vehemenz viele Menschen das Unternehmen ablehnen. Große US-Firmen haben es schwer in Deutschland, werden von der Öffentlichkeit misstrauisch beäugt, meint er.

Gleichwohl spricht allein das massive Wachstum für sich: Alphabet Inc., das seit einem Jahr als Muttergesellschaft von Google Inc. firmiert, eroberte im Februar 2016 knapp 18 Jahre nach Gründung sogar drei Tage die absolute Spitze: Mit 570 Milliarden US-Dollar Marktwert überholte es Apple und galt somit als das wertvollste Unternehmen der Welt. Als Arbeitgeber wirkt der Internetriese schon lange wie ein Magnet. 2,5 Millionen Bewerbungen sollen angeblich weltweit jährlich bei Google landen, laut einer US-Umfrage blieben Google-Mitarbeiter im Schnitt aber gerade rund 13 Monate im Unternehmen.

12 Juristen in der Rechtsabteilung

Dennis Kaben (li.) und Arnd Haller von Google Germany

Dennis Kaben (li.) und Arnd Haller von Google Germany

Arnd Haller beeindrucken solche Zahlen nicht. Mit seinen elf Jahren Betriebszugehörigkeit ist der 44-Jährige Googles dienstältester Jurist in Europa. Als er kam, zählte Google 3.000 Mitarbeiter weltweit, inzwischen sind es 66.000. Seit seinem Wechsel 2005 von Taylor Wessing baute er Schritt für Schritt die Rechtsabteilung am Hamburger Standort auf mittlerweile 12 Kollegen aus. Von Fluktuation kann dort keine Rede sein, nur zwei Juristen haben die Rechtsabteilung in dieser Zeit wieder verlassen. „Wir wachsen kontinuierlich“, sagt er.

Ein bisschen Stolz klingt mit. Letztes Jahr beispielsweise kam ein Patentanwalt neu ins Münchner Büro. Allerdings packte auch einer aus seinem Team seine Koffer. Aber nur, um zukünftig vom Hauptsitz aus im kalifornischen Mountain View für Google zu arbeiten. „Ihm hat es dort so gut gefallen, dass er nur noch nach Hamburg zurückkam, um seine Wohnung aufzulösen“, erzählt Haller.

Enger Kontakt mit Mountain View

Aber ein solches Ansinnen ist für das Unternehmen kein Problem. Im Gegenteil. „Wir unterstützen die Kollegen, die ins Ausland gehen möchten, sehr bei diesem Vorhaben.“ Drei bis sechs Monate verbringen viele Mitarbeiter häufig in Mountain View, um die Arbeit und die Kollegen am Hauptsitz besser kennenzulernen und ihr Englisch zu perfektionieren. Dafür muss es aber nicht zwingend in die USA gehen. Google verfügt weltweit über 70 Niederlassungen verteilt auf 40 Länder. 

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