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31.10.2016

Der weiche Kern

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Der Begriff Soft Skills hat ausgedient. Immer mehr ­Kanzleien ­verstehen das Nichtjuristische als Kern­kompetenz ihrer Anwälte und legen den Schwerpunkt der Ausbildung darauf. Auch, weil das Führungs­personal knapp wird.

Von Markus Lembeck

Es klingt fast verächtlich, einen Teil des beruf­liches Know-hows als Soft Skills zu bezeichnen. Nur die weichen, persönlichen Fähigkeiten sollen einen erfolgreiche Anwaltstätigkeit ausmachen? Dabei geht es im Sinne des Mandanten doch um die harten Fakten, das juristische Wissen, die überzeugende Strategie.

Doch schon bei der Strategie wird es wieder soft. Wer als Berater die besten juristischen ­Argumente auf seiner Seite hat, verhilft dem Mandanten nicht notwendigerweise zum besten Ergebnis. Er braucht nicht nur das Recht auf seiner Seite, sondern mehr: eine gute Argumen­tationslinie und ein gut organisiertes Team. Wach + Meckes, eine für Konfliktlösung hoch angesehene Münchner Kanzlei, kümmert sich um M&A-Streitigkeiten oder Haftungs­prozesse. Partner Tom Petsch (41) versteht unter Team nicht nur die Anwälte: „Wir kommen einmal wöchentlich alle zusammen, Rechtsanwälte und Sekretärinnen, um sämtliche anstehenden Fälle im Blick zu haben und den aktuellen Status und die wesentlichen Entwicklungen zu be­sprechen.“

Lernziel: Der Star ist die Mannschaft

Tom Petsch

Tom Petsch

Für Berufseinsteiger ist das bereits ein Lernziel an sich: Prozessführung ist ein Mannschaftssport, und der Star ist die Mannschaft. Das gilt auch auf anderen Beratungsfeldern, und auch dann, wenn die Mandantschaft vor allem mittelständisch ist und sich gerne auf einen einzigen Partner als Anwalt des Vertrauens stützt.

Die Teilnehmer eines Workshops auf der Recruitment-Veranstaltung Jurfixe haben das mit Erstaunen festgestellt. In ­einer Vertragsverhandlung gibt es nicht nur die eigene Seite und die Gegenseite: Ein anspruchsvoller Mandant macht aus dem Zwiegespräch mit der anderen Verhandlungspartei manchmal einen Zweifrontenkrieg für den Anwalt. Ohne die Vorbereitung in einem guten Team kann eine Verhandlungssituation leicht entgleisen.

Recruitment über Inhalte

Jurfixe ist ein neues Karriereevent, das sich die drei vor allem mittelständisch orientierten Kanzleien Menold Bezler, Kümmerlein und Esche Schümann Commichau im Kampf um gute Absolventen ausgedacht haben. Recruitment über Inhalte – an sich nichts Ungewöhnliches, wenn nicht an dieser Veranstaltung ablesbar wäre, wie sich die inhaltlichen Schwerpunkte im Ausbildungsmarkt verschoben haben: Prädikat ist gut, Persönlichkeit ist besser.

Auf einem Panel beschrieben jüngere Partner ihre individuellen Karriereentscheidungen. Eine externe Trainerin erläuterte Kniffe für Kommunikation und Smalltalk. Und selbst in den juristischen Workshops ging es immer wieder um die Frage: Wie komme ich zu einem für den Mandanten guten Ergebnis? Jura ist nur ein Teil der Lösung. Vor einer Verhandlung müssen die Interessen des eigenen Mandanten sorgfältig erforscht werden, und später ist ­persönliche Flexibilität gefragt, um auf Sonderwünsche und Launen zu reagieren.

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