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31.10.2016

Der Datenpiltz

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Ein Beitrag aus azur 2/2016

Datenschutz ist langweilig? Von wegen. Für Carlo Piltz gibt es kaum ein spannenderes Thema. Seine Begeisterung dafür ist ansteckend. In Windeseile hat er sich in der IT-Szene etabliert.

Von Eva Flick

Dr. Carlo Piltz machte sich bei seinem jetzigen Arbeitgeber in Form einer klassischen Kaltakquise bekannt. „Ich hab Thorsten ungefragt meine Diss geschickt“, erzählt er und lacht. Thorsten Feldmann, Partner bei JBB in Berlin, stand damals gerade an der Seite von Mobilcom-Debitel im Verfahren um die Fanseiten bei Facebook. Ein Mandat, in dem es im Wesentlichen um Datenschutz ging – das Thema, mit dem sich Piltz in seiner Qualifikationsschrift beschäftigt hatte. „Und ich habe dann in der Diss etwas nachgeschlagen“, erinnert Feldmann sich und lacht ebenfalls, denn benutzt hat er davon nichts. „Ich war ganz anderer Meinung.“ Beeindruckt hat ihn die Arbeit trotzdem.

Carlo Piltz

Carlo Piltz

Carlo Piltz kennt keine Scheu, fremde Leute mit Informationen zu seinem Lieblingsthema zu versorgen. Da ist er schmerzfrei. „Ein Leben ohne Twitter?“, fragt er belustigt, „unmöglich“. Ohne Blog, ohne Xing? „Schwer vorstellbar.“ Carlo Piltz ist der geborene Netzwerker. Auf die Idee, dass Datenschutz langweilig sein könnte, kommt niemand, der ihm zuhört. „Ich mag die ganze IT-Szene“, bringt er es auf den Punkt.

Und die liest regelmäßig seinen Blog ‚De lege data‘ mit dem Untertitel ‚Datenschutz Privacy Web 2.0‘. Dort postet der 32-Jährige Aufsätze teils erheblichen Umfangs. Themen dazu gibt es gerade wie Sand am Meer. Alleine im Juli hat er acht Artikel online gestellt. In der Fachwelt gilt der Blog längst als etabliert, Carlo Piltz ist unter der Bezeichnung ‚der Datenpiltz‘ oder auch – humanistisch angehaucht – ‚Fungus Datorum‘ als Marke bekannt. „Datenpiltz, übernehmen Sie!“, twittert etwa Kanzleikollege Ansgar Koreng und verweist auf einen Zeitungsartikel über einen Datenverstoß, die eine Kommune gegen Temposünder begangen hat.

Bewerbung via Twitter

Den Blog immer auf dem neuesten Stand zu halten, erfordert Zeit. Wie viele Stunden pro Woche Piltz dort investiert, variiert. Es können sich fünf bis sieben Stunden summieren, manchmal sind es auch nur ein oder zwei. Sein Vorteil: Er kann dazu seine Arbeitszeit nutzen. Denn mit Thorsten Feldmann hat er einen Partner in der Kanzlei, der ganz klar die Vorteile sieht. „Wir wissen, dass auch Datenschutzbehörden zu den Lesern gehören“, sagt er.

Denn schon Landesdatenschutzbeauftragte haben deswegen angerufen, Chefredakteure von Fachmagazinen fragen nach Artikeln, Weiterbildungsveranstalter erkundigen sich, ob Carlo Piltz Seminare geben kann. Selbst deutsche und europäische Parlamentsabgeordnete haben sich schon gemeldet. In Brüssel absolvierte Piltz eine Wahlstation während des Referendariats. Bewerben musste er sich dafür nicht. Der Vorgesetze folgte ihm auf Twitter, Piltz schrieb ihn via Kurznachrichtendienst an – und hatte den Job.

Viele der Anfragen, die ihm heute auf den Schreibtisch flattern, nimmt er an. Er weiß die Freiheit, die ihm eine kleine Einheit wie JBB bietet, dabei zu schätzen. Mit einem festen Korsett von abrechenbaren Stunden, wie es die meisten Großkanzleien ihren Associates anlegen, wäre das Bespielen der verschiedenen Social-Media-Kanäle und die Aktivitäten außer Haus nicht im Entferntesten machbar. Für JBB war es anfangs ein Wagnis, jemanden einzustellen, der sich nahezu von morgens bis abends mit dem Thema Datenschutz beschäftigt. Doch schnell häuften sich die Anfragen. Dabei ist Piltz noch gar nicht so lange in der Kanzlei.

In die Wiege gelegt

Bei JBB stieg er erst im Juni 2014 ein, nach seiner Promotion mit dem Titel „Soziale Netzwerke im Internet – eine Gefahr für das Persönlichkeitsrecht?“. Bereits seinen Studienort wählte er bewusst nach dem Schwerpunkt Medienrecht aus, denn für ihn kamen nur die Professoren Thomas Hoeren aus Münster oder Gerald Spindler aus Göttingen infrage. Letzterer war später sein Doktorvater.

Ein bisschen wurde ihm sein Beruf aber auch in die Wiege gelegt. Sein Vater war Mitbegründer der Kanzlei mit dem damals noch sperrigen Namen BDPHG Brandi Dröge Piltz Heuer & Gronemeyer, heute verkürzt unter ‚Brandi‘ bekannt. Der konzentrierte sich auf internationales Handelsrecht. „Ich wollte ursprünglich aber eigentlich Wirtschaftsinformatik studieren“, erzählt Piltz, der in Gütersloh aufwuchs. Das scheiterte allerdings an der Mathematiknote. Piltz hat keine Probleme, das auch zuzugeben. „In Mathe war ich eine Niete.“ Danach fragt heute niemand mehr.

Wenn das Geschäft weiter so anzieht, wird JBB ihre IT-Praxis ausbauen und Associates einstellen, die sich ebenfalls für das Thema begeistern. So viel steht fest. Denn schließlich müssen Mandate auch bearbeitet werden, die ins Haus kommen, weil Carlo Piltz so viel kontaktet. „Ich finde es immer schade, dass es Leute gibt, die auf Konferenzen nicht mit anderen sprechen.“ Carlo Piltz würde das nie passieren. Auch nicht auf Parties. Wenn dort allerdings die richtige Musik läuft, muss der ehemalige Formationstänzer dringend auf die Tanzfläche. <<